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Wir kämpfen gegen die Menschenfeindlichkeit
von autonom    06.12.06

Der Runde Tisch gegen Rechts Landshut veranstaltete am Dienstag, 05.12.06, einen Diskussionsabend mit dem Naziaussteiger und freien Journalisten Jörg Fischer. Dieser referierte vor über 60 Zuhörern im kleinen Theater in Landshut über seine Erfahrungen in der rechten Szene und wirkungsvolle Gegenaktivitäten.

Als 13 jähriger Junge sei er in Nürnberg im Versorgungsamt von einem Beamten auf Probleme mit Ausländern in seinem Stadtteil angesprochen und sogleich mit Propagandamaterial der NPD versorgt worden. Mit der Teilnahme an den Kameradschaftsabenden der örtlichen JN (Jugendverband der NPD) begann seine rechtsextreme Karriere. Von JN über NPD und DVU bis hin zur deutschen Liga für Volk und Heimat, deren Mitbegründer der Landshuter Neonazi und Betreiber des Patria Versandes Franz Glasauer war, ging seine Wanderschaft im rechtsextremen Organisationsspektrum.

Jörg Fischer berichtete von inszenierten Sonnwendfeiern und Parteitagen, die nicht nur die Zuschauer begeistern, sondern auch das Bild einer „heilen Volksgemeinschaft“ vermitteln sollen. Der eigene Ausstieg sei nicht von heute auf morgen passiert, sondern sei ein langwieriger Prozess gewesen, der insbesondere durch neonazistische Gewaltaten anfang der 90er Jahre in Gang gekommen sei, deren trauriger Höhepunkt die tagelangen Progrome gegen ein Asylbewerberheim in Rostock Lichtenhagen waren.

Nach seinem Aussteig begann er seine Vergangenheit zu verarbeiten. Neben Gesprächen mit Überlebenden des Holocausts war ihm vor allem daran gelegen sich ein neues Menschen- und Weltbild zu erarbeiten.

Mit Erfolg wie er berichtet. Heute ist Jörg Fischer überzeugter Antifaschist, der mit Büchern, Veranstaltungen und Fortbildungsmaßnahmen auf allen Ebenen gegen Neonazis aktiv ist. Seiner Ansicht nach verschärft sich das Problem mit rechten Szene durch einen Rückzug des Staates. „Wer den Sozialstaat abbaut, der baut Neonazis auf“, so seine Überzeugung. Aber auch der Rückzug aus der Jugend- und Bildungsarbeit überlässt den Rechtsextremen ein Vakuum, in das diese nur allzugerne stoßen. Auch ein NPD Verbot sei eine Möglichkeit die rechtsextreme Szene insbesondere finanziell zu schwächen, dürfe aber nicht ohne weitere Aktivitäten bleiben, so Fischer.

Gelebte Demokratie ist sein Ansatzpunkt gegen Rechts. Von der Wahl des Klassensprechers bis zu den Betriebsratswahlen müsse jede/r durch seine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben rechte Themen und Aktivitäten isolieren und zurückdrängen. Demokratie findet nicht nur im Bundestag statt, sondern im Alltag.

Aktiver Antifaschismus bedeutet den Nazis da Paroli zu bieten wo sie Auftreten. „Wenn mein Haus brennt, fahre ich doch auch nicht mit der U-Bahn 10 Stationen, um ein Haus zu löschen, das gar nicht brennt“, so seine Analogie. Deswegen sind antifaschistische Aktivitäten gegen Neonaziaufmärsche aber auch präventive Aufklärung so wichtig.

Insbesondere das gemeinsame Engagement aller Demokraten und Antifaschisten beschwor Fischer. „Wir dürfen uns nicht spalten lassen in gute und böse Antifaschisten. Rassismus, Antisemitismus, Schwulenfeindlichkeit usw. sind Menschenfeindlichkeit. Wir kämpfen gegen Menschenfeinde und müssen dementsprechend gemeinsam konsequent Stellung beziehen“, so sein Schlußwort.

 

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