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Der Abschluß ist faul
von fo    08.06.02

Nieder- und Oberbayern stehen nun nicht gerade in dem Ruf, die streikwütigsten Metaller in der BRD zu sein. Trotzdem gab es bei der Diskussion über die Höhe der notwendigen Forderung für die diesjährige Tarifrunde so manchen Brocken für Gew.-Sekretäre zu verdauen: Selbst in der Provinz schreckte man vor zweistelligen Forderungen nicht zurück und es brauchte viel Überredungskunst, um das Ganze auf die 6,5 % Forderung nebst Einstieg in einen Entgeltrahmentarifvertrag(ERA) runterzubügeln.

Viel Unmut hat sich über die letzten Tarifrunden- negative Abschlüße mit langen Laufzeiten, Gemauschel der Führung- angesammelt und machte sich nun lautstark bemerkbar. Eine gute Beteiligung bei den Warnstreiks, Kundgebungen und Demonstrationen ließ die Hoffnung auf einen kräftigen Schluck aus der Pulle aufkeimen. Streiken verlernt man nicht und viele haben diesmal zum erstenmal diese Kraft der gemeinsamen Stärke gespürt. Es wäre noch viel mehr entwickelbar gewesen, wenn man uns die Zeit gegeben hätte.

Mit ihrer Streiktaktik, den alten Aussperrungsparagraphen 116 zu umgehen und nur Nadelstiche zu versetzen, hat die IGM für viel Frust in den nur tageweise bestreikten Betrieben gesorgt. Hunderte Resolutionen aus den Betrieben forderten den Vorstand der IGM auf, eine klassenkämpferischere Tarifrunde zu bestreiten. Zwickel und Huber jedoch, erprobt bei Kaminrunden aber nicht in der konsequenten Vertretung von Arbeiterinteressen haben aus Rücksicht auf Schröder und Co. den Dampf aus dem Kessel genommen. Ihr demagogisches „ Die Vier ist erreicht“ deutet entweder darauf hin, daß man schon früher eine Pisa Studie hätte machen müssen, oder zeigt auf, für wie dumm man die Beschäftigten hält.

Rolf Haucke (Bevollmächtigter der VST Landshut) rechnet noch einen drauf: „Die Steigerung um 7,1 % innerhalb von 22 Monaten sei schon lange nicht mehr erreicht worden“ (LZ, 28.5.02). Berücksichtigt man die Leermonate wird bei sehr gutem Willen für 2002 eine Erhöhung von 3,4 und in 2003 eine von 2,6% erkennbar. In die Tariftabellen selbst gehen von den angeblichen 4% nur 3,1% ein, von den 3,1% im Juni 2003 nur 2,6%. Der Rest wird in Einmalzahlungen ausbezahlt und die darauffolgenden Jahre für ERA in den Betriebeb erstmal zurückgehalten. Das ist auch so ziemlich das Einzige, was zum ERA ausgemacht wurde. Alles andere sind Absichtserklärungen und für den, der vor gar nichts zurückschreckt ist der ganze Mist unter www.igmetall.de nachzulesen.

Bei äußerst geringer Wahlbeteiligung wurde der Abschluß von 58% in der zweiten Urabstimmung gutgeheißen. Der Frust, der sich in diesem Ergebnis wiederspiegelt, muß sich in Widerstand gegen die sozialpartnerschaftliche Ausrichtung der IGM-Führung verwandeln. Diskussionsthemen gibt es genug, wie z.B. die „Zukunftsdebatte“ und die sogenannte „ertragsabhängige“ Tarifpolitik.

 

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