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Die Free-Tibet-Kampagne
von koni    19.07.08

Der folgende Text ist als Diskussionspapier im Schulungszirkel der AG International Landshut zur aktuellen medialen Inszenierung der sogenannten Menschenrechtsverletzungen in Tibet entstanden. Wir wollen damit dem herrschenden Medieneinerlei einige Fakten entgegensetzen.


Bis in linke und erst recht in ‚Alternative’ Kreise hinein spukt das ‚Free-Tibet’-Gespenst. Wären sich die Betreffenden bewusst, dass sie – zumindest – ‚nützliche Idioten’ für die herrschenden Kreise sind und würden sie sich daher – zumindest- entsprechend von der China-Hetze distanzieren, so wäre es halb so schlimm. Es spräche vielleicht nicht allzu viel dagegen sich gegen einen repressiven Staatsapparat zu wenden, geschähe es in dem Bewusstsein, dass man selbst in einem solchen lebt. Aber eines zumindest müsste man doch voraussetzen: Dass die ganze bunte Truppe der ‚Free-Tibet’-Fans – zumindest – weiß was das überhaupt sein soll: ‚Free-Tibet’!? Wie soll so ein befreites Tibet aussehen? Soll es vom Dalai Lama, dem ‚Gottkönig’ regiert werden? Soll es ein religiöser Staat sein? Soll es eine Demokratie geben? Kapitalismus? Soll Tibet eine Kolonie des Westens werden? Oder was soll dort passieren? Gibt es denn unter denen, die das tibetische Volk als selbsternannte und niemals demokratisch legitimierte ‚Exilregierung’ vertreten fortschrittliche Vorstellungen zur Zukunft Tibets und hat die ‚Free-Tibet’-Community die entsprechenden Texte gelesen?
An dieser Stelle wird wohl kaum jemand zu widersprechen wagen, wenn wir behaupten: Da gibt es wenig außer wagen durch und durch romantischen oder esoterischen Vorstellungen, dass dieser nette Dalai-Lama-Opi mit den Grinse-Bäckchen das schon irgendwie im Griff hat und die Tibeter eh alle irgendwie ziemlich cool drauf sind.

 

Das Alte Tibet und seine Veränderung

Was ist dieses Tibet für ein Land? Hat es außer einem Dalai Lama auch noch eine Geschichte? Allein schon, wenn man wikipedia bemühen würde, würden sich ein paar Fragen aufdrängen: Welche geografische Region ist mit Tibet gemeint? Das ‚Autonome Gebiet Tibet’, das als Verwaltungseinheit Chinas ca. 1,2 Mill. qkm umfasst, oder der ‚Tibetische Kulturraum’, der mehr als doppelt so groß ist und neben anderen chinesischen Provinzen auch Teile Nepals und Indiens umfasst und neben Tibetern auch von zahlreichen anderen Volksgruppen bewohnt wird?
Weiterhin ist schon bei einem kurzen Blick in die Wikipedia-Datei zu erfahren, dass der Beginn der Herrschaft der Dalai Lamas auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, in dem die Lamas mit den Mongolen zusammen arbeiteten, die das Land besetzten und im Gegenzug die Herrschaft der Lamas etablierten. „Während des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in einem feudalen System unter den Lamas. Die großen Klöster besaßen den Hauptanteil des Landes und monopolisierten das Bildungssystem sowie die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten und zogen Abgaben ein. Ein Handel mit dem Ausland gab es bis auf ein paar Ausnahmen mit Indien, Turkmenistan und China nicht. Der Dalai Lama wurde als das Oberhaupt angesehen, aber sein Einfluss schwankte mit seinen persönlichen Fähigkeiten. Durch das Tulku-System der Reinkarnation gab es lange Phasen, in denen der Dalai Lama zu jung war, um sein Amt auszuführen. In dieser Zeit wurde der Panchen Lama als effektive Führung des Landes angesehen.“ (Wikipedia, Artikel: ‚Tibet’, Stand 26.04.2008).
In ähnlicher Weise beschreibt auch Colin Goldner das ‚Alte Tibet’. Es habe seit Mitte des 17. Jahrhunderts einen theokratischen Feudalismus der Gelbmützensekte gegeben, deren Führer die Dalai Lamas waren. Eine relativ kleine klerikale Elite von etwa eineinhalb Prozent der Bevölkerung stand der Mehrheit von Leibeigenen und unfreien Bauern gegenüber. Bis ins zwanzigste Jahrhundert gab es außerhalb der Klöster keinerlei Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen. Die Herrschaft des Klerus wurde durch ein grausames Strafrecht gesichert, das öffentliche Auspeitschung, Abschneiden von Gliedmaßen und ähnliche Grausamkeiten beinhaltete. (Colin Goldner: ‚Ahnungslose Schwärmerei, jW 26.03.2008) Vergleichbares berichtet Alan Winnington, der kurz nach dem Einmarsch der Chinesischen Volksarmee eine Reise nach Tibet unternahm. „Das Auspeitschen aber war (...) anerkanntes Recht. Es erfolgte in den Kerkern der Gutsherren und der Klöster, und es gibt nur wenig Leibeigene, die nicht Spuren schwerer Prügelstrafen vorzeigen können. Geschlagen wurde mit der geflochtenen Reitpeitsche (...) In jedem Gutshaus fanden sich schwere geflochtene Reitpeitschen und auch ein oder zwei menschliche Unterarme und andere grausige Reliquien. So sah ich in Loka die mumifizierte Leiche eines jungen Mädchens, das von seinem adligen Herrn vergewaltigt und ermordet und dann als Andenken aufbewahrt worden war. (Alan Winnington: ‚Tibet- ein Reisebericht’, Berlin 1960, zitiert nach jW v. 5./6.04.08)
Unter der Überschrift: „Historische Anmerkungen zu Tibets Status“ finden sich folgende Ausführungen bei Wikipedia:
„Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war Tibet eine Region ohne festgelegte Grenzen, bei innerer Autonomie unter mongolischer Schirmherrschaft. Mit dem Niedergang der mongolischen Macht brachen auf tibetischem Gebiet „Nachfolgeunruhen“ aus. Aufgrund dieser Unruhen erklärte China um 1720 das Gebiet Tibets zu seinem Protektorat bei voller innerer Autonomie Tibets. Diese Konstruktion hielt fast 200 Jahre lang und hatte Vorteile für beide Seiten. Chinesischen Einfluss gab es nur in den östlichen Randlagen Tibets zu der chinesischen Tiefebene. Dies sind bis heute die Gebiete mit einem größeren Bevölkerungsanteil von Han-Chinesen. Darüber hinaus hatte kaum ein Chinese aus dem Flachland die Motivation, das unerschlossene Gebiet Tibets, viele hundert Kilometer zu durchqueren, da diese Gebiete häufig auch nur sehr dünn besiedelt waren. Jede Reise in Tibet war beschwerlich und ohne ortskundige Begleitung nicht zu machen. Es gab in Tibet zudem fast nichts, mit dem die Chinesen den Handel hätten treiben können, der diese aufwändige Reise hätte rechtfertigen können. So verweilten zur Zeit des Einmarsches Chinas in das damals de facto unabhängige Tibet (dies umfasste ungefähr das Gebiet des heutigen Autonomen Gebiets Tibets) im Jahr 1950 dort nur sechs Ausländer, darunter auch die Österreicher Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter.
Für die Chinesen hatte das Protektorat über Tibet den Vorteil der Klarstellung, dass China bis zum Gebirgskamm des Himalaya Gebietsansprüche hatte. Es war eindeutig, ab wann fremde Mächte chinesisches Hoheitsgebiet betraten, und einen Krieg mit China wollte keiner der kleineren umgebenden Staaten beginnen. Für die Bevölkerung Tibets garantierte die Stellung als chinesisches Protektorat den Schutz gegen äußere Feinde und damit den äußeren Frieden. Aufgrund dieser Konstellation wird in den alten Atlanten[8] Tibet meist als Teil Chinas dargestellt.“ (Wikipedia, Artikel: ‚Tibet’, Stand 26.04.2008).
Colin Goldner bemerkt zur Frage der Unabhängigkeit Tibets, der 13. Dalai Lama habe 1913, nach dem endgültigen Auseinanderbrechen des Chinesischen Kaiserreiches, die Unabhängigkeit Tibets proklamiert. „Die völkerrechtlich relevante Frage, ob Tibet zwischen 1913 und 1951 einen eigenständigen und unabhängigen Staat darstellte oder nicht (...) lässt sich nicht mit letzter Sicherheit klären. Die UNO, die als einzige Körperschaft solche Klärungen vornehmen könnte, hat sich der Frage tibetischer Souveränität zu keiner Zeit angenommen.“ (Colin Goldner: ‚Ahnungslose Schwärmerei, jW 26.03.2008) Mit Sicherheit klären lässt sich die Frage für die Zeit vor 1913. Zu dieser zeit war Tibet ein Vasallenstaat Chinas und in keiner Weise unabhängig.
Der Einmarsch der Chinesischen Voksarmee nach Tibet fand 1951 (bzw. 1959) statt um die Tibeter von einem doppelten Joch zu befreien: „zum einen aus dem imperialistischer Machtansprüche vor allem Großbritanniens und der USA, zum anderen aus dem der feudalistischen Leibeigenschaft einer Ausbeuterclique aus Adel und Gelbmützen-Klerus (...) Ab Mitte der 1950er Jahre wurde in Tibet mit Hilfe der CIA ein großangelegter Untergrundkampf gegen die Chinesen geführt. Zwei der Brüder des Dalai Lama organisierten von Indien beziehungsweise den USA aus den Guerillakrieg. Im Frühjahr 1959 verließ der Dalai Lama selbst – von langer Hand und mit Hilfe der CIA vorbereitet – Lhasa und begab sich ins indische Exil. (...) Die insbesondere im Zuge der Kulturrevolution in den 1960er Jahren von der Volksbefreiungsarmee in Tibet verübten Gewalt- und Zerstörungsakte sind durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen.“ (Colin Goldner: ‚Ahnungslose Schwärmerei, jW 26.03.2008) Demgegenüber sind die Behauptungen der Exiltibetischen Regierung zum jetzigen Zeitpunkt über Zwangsabtreibungen, Massensterilisierungen, Folter und systematischer Zerstörung der tibetischen Kultur laut Goldner reine Propaganda.
Dies bestätigt im Wesentlichen auch der Sinologe Ingo Nentwig. Seiner Meinung nach blüht und gedeiht die tibetische Kultur in China, die wesentlich mehr ist als der tibetische Buddhismus: „Tibetisch ist eine der anerkannten Staatssprachen in China, sie wird an Schulen unterrichtet. Unmengen an Büchern, Zeitungen und Zeitschriften werden landesweit in tibetischer Sprache publiziert, selbst von Peking aus. Tibetischer Rundfunk und Fernsehen werden mit enormen öffentlichen Mitteln gefördert. Spezielle Kommissionen wachen sogar darüber, dass Straßenschilder in de tibetischen Regionen immer zweisprachig gestaltet sind. Es wird intensiv Erzählforschung getrieben, es gibt Akademien für traditionelle tibetische Medizin, tibetische Kultstätten werden von Staats wegen unterhalten, natürlich auch Tempel und Klöster. (...) Die normale Religionsausübung wird mit wenigen Abstrichen nahezu nicht eingeschränkt. Fakt ist, dass die chinesische Regierung sensibel auf die Zurschaustellung von Dalai-Lama-Bildnissen reagiert. (...) Auch die Forderung der tibetischen Geistlichen, die Klöster schon für Kinder mit fünf Jahren zu öffnen, wie die Regierung zurück. Stattdessen dürfen Jugendliche erst mit 16 Jahren ins Koster gehen, weil sie erst in diesem Alter reif sind, eine freie Entscheidung zu treffen. Das entspricht allerdings durchaus dem westlichen Fortschrittsverständnis.“ (jW 25.04.08) Darüber hinaus spricht Nentwig auch davon, dass es Verstöße gegen politische Menschenrechte (z.B. politische Haft) seitens der chinesischen Behörden in solchen Fällen gibt, in denen Religiöse Funktionsträger Unabhängigkeitsbestrebungen befördern (z.B. Demos für Unabhängigkeit mit Tibetfahne). Allerdings seien seiner Ansicht nach durchaus viele Tibeter (auch weite Teile der Geistlichkeit) für einen Verbleib im Chinesischen Staatsverbund. In seinen Feldstudien sei er zu der Ansicht gelangt, dass insbesondere die ländliche Bevölkerung ein sehr gutes Verhältnis zu den Han-Chinesen hat, während antichinesische Einstellungen eher in der Stadt anzutreffen seien.
Eine interessante Zusammenfassung zu den Umwälzungen der letzten Jahrzehnte in Tibet findet sich im Neuen Deutschland v. 14.04.2008: „ Politischen Widerstand gibt es auch. Der formiert sich in erster Linie in den zahlreichen Klöstern unweit der großen Städte Lhasa und Shigatze, die am finanziellen Tropf exiltibetischer Geber hängen und mit dem Geld auch deren Doktrinen übernehmen. Zweifellos sitzt das Trauma der Kulturrevolution noch tief, als nahezu alle 6000 Klöster Tibets – wie überhaupt alle religiösen Einrichtungen Chinas – zerstört und Mönche und Nonnen umgebracht wurden. Seit Mitte der 70er Jahre aber hat sich diese Situation dramatisch geändert. Die etwa 30 großen Klöster erfreuen sich regen Zulaufs potenzieller Mönche und Nonnen. Religionsausübung ist den Tibetern nach chinesischem Gesetz ebenso garantiert wie allen anderen Minderheiten und den Han-Chinesen – solange sie nicht zu politischen Zwecken missbraucht wird. Chinakritiker bemängeln, dass die Lehrpläne der Klöster durch chinesische Lerninhalte ergänzt wurden. Neben den traditionell buddhistischen Lehren sollen die Klosterschüler auch weltlichen Stoff vermittelt bekommen. Ebenso sollen Kinder, die im zarten Alter von sechs Jahren ins Kloster aufgenommen werden, bei Erreichen des Jugendalters selbst entscheiden können, ob sie ihr ganzes Leben als Mönch verbringen wollen. Dass es dabei vereinzelt zu Repressalien kommt, ist kaum zu bestreiten.
Modernisierung ändert Lebensformen.
Mehr als 85 Prozent der Tibeter leben heutzutage auf dem Lande. Weder ihre kulturelle noch ihre religiöse Identität ist bedroht. Wie seit eh und je arbeiten sie als Yakzüchter oder Bauern, pflegen ihre religiösen Traditionen und sorgen sich ebenso wenig darum, ob das Land unabhängig ist, wie sie sich einst um den Kaiser von China gekümmert haben. Wohl leiden sie unter korrupten und unfähigen Beamten, seien es Han-Chinesen oder Tibeter, die beispielsweise Schulgeld kassieren, obwohl seit 2004 Schulgeldfreiheit herrscht, oder nur in Chinesisch unterrichten, obwohl Tibetisch als Amts-sprache der Tibeter 2002 dem Chinesischen gleichgestellt wurde. Dass in Peking erlassene Gesetze im weiten Land schlampig umgesetzt werden, ist eine Erfahrung, die nicht nur die Tibeter machen. Mit ihrer Unterdrückung oder gar einem »kulturellen Genozid« hat das jedenfalls wenig zu tun.
Nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich traditionelle tibetische Lebensformen, was immer man darunter versteht, in den Städten stark verändern. Das resultiert aus der Öffnung der Region sowohl für in- und ausländische Touristen als auch für Investitionen – wovon die meisten Tibeter begeistert sind. Man kann die neue Eisenbahn verteufeln, wie die Indianer einst das Dampfross, man kann auch horrende Fehlinvestitionen chinesischer Modernisierungsfanatiker kritisieren, die auf falschem Gelände aufforsten, Computer in abgelegene Flecken unter dem Himalaja liefern oder Schulen bauen, für die entweder die Lehrer oder die Schüler fehlen... Das alles geschieht aber nicht um irgendeines »Genozids« an den Tibetern willen, so etwas passiert vielmehr überall im großen Reich der Mitte und sollte nach Meinung der Pekinger Regierung eigentlich ganz anders laufen. Die Tibeter in Tibet begrüßen die Moderne, die Lhasa bessere Heizungen, gefüllte Schaufenster und sogar annehmbare Toiletten bringt.“
Die Autorin des Artikels, Dorit Lhrack, lebte einige Jahre in China. Durch das genannte Zitat wird der gesellschaftliche Kontext der Situation in Tibet verständlich.
Eine weitere Kurzusammenfassung der Entwicklung in Tibet stammt von dem französischen Sozialisten und Mitglied des Senats Jean-Luc Mélenchon. „Tibet gehört seit dem 14. Jahrhundert zu China. Lhasa stand schon unter chinesischer Hoheit, lange bevor Besancon oder Dôle unter die des französischen Königs kamen. Ein Ereignis der Chinesischen Revolution als ‚Einmarsch’ von 1959 zu beschreiben ist irreführend. Spricht jemand davon, dass Frankreich in die Vendée ‚einmarschiert’ sei, als die Armeen der Republik dort den Aufstand der Royalisten niederwarfen? Der Dalai Lama und andere tibetische Würdenträger haben alles akzeptiert, was das kommunistische China ihnen nach 1951 angeboten hat. So hat zum Beispiel ‚Seine Heiligkeit’ es nicht verschmäht, den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses (Parlament) zu übernehmen. Das lief so bis 1956, als das kommunistische Regime beschloss, in Tibet und den angrenzenden Gebieten die Leibeigenschaft zu beseitigen. Mit dem Bruch einer Tradition, den ich voll und ganz billige, haben die Kommunisten Vorschriften abgeschafft, die die Bevölkerung in drei Kategorien und neun Klassen einteilten, wo das Menschenleben von sehr verschiedenem Wert war. So hatten die Besitzer der Leibeigenen und Sklaven das Recht der Entscheidung über deren Leben und Tod, und sie konnten Folter anordnen. Heute spricht niemand mehr davon, welchen Status die Frauen im alten Tibet hatten. Aber man kann sich darüber informieren, wenn es einen interessiert. Der kommunistische Staat hat den gewaltsamen Kämpfen zwischen Lokalfürsten des angeblichen Paradieses der Gewaltlosigkeit ein Ende gesetzt, ebenso den blutigen Strafen, die die Mönche an Verletzern der von ihnen gehüteten religiösen Vorschriften vollzogen. Die tibetische Version der Scharia hat erst mit den Kommunisten ein Ende gefunden. Der Aufstand von 1959 wurde von den USA im Rahmen des Kalten Krieges vorbereitet, bewaffnet, unterstützt und finanziert. Der ‚schreckliche’ Einmarsch setzte der gesegneten Tradition des Regimes des Dalai Lamas ein Ende. Seitdem gehen 81% der Kinder in Tibet zur Schule, während es in der Zeit der Tradition nur zwei Prozent waren. Die durchschnittliche Lebenserwartung der ehemaligen Leibeigenen des Tals der Tränen von 35,5 Jahren ist in der heutigen chinesischen Hölle sauf 67 Jahre gestiegen. Ebenso wie sich die Vernichtung der Tibeter darin zeigt, dass ihre Zahl seit 1959 von einer Million auf 2,5 Millionen angestiegen ist. Aus all diesen Gründen ist mehr Umsicht und mehr Respekt für die Chinesen angesagt als die Verbreitung lächerlicher Klischees durch Leute, die weder für sich selbst noch für ihre Frauen und Kinder ein so jammervolles Regime wünschen, wie das der buddhistischen Mönche von Tibet eines war.“ (jW v. 15.04.2008)
Zusammenfassend kann festgehalten werden:
Tibet gehörte einige Jahrhunderte zum Einflussbereich des Chinesischen Reichs. Eine kurzzeitige Unabhängigkeit zu Beginn des 20 Jahrhunderts ist umstritten.
Die Buddhistische Theokratie der Dalai Lamas wurde von der Besatzungsmacht der Mongolen etabliert. Der daraus resultierende theokratische Feudalismus war eine rückständige und z.T. grausame Gesellschaftsform ohne historische Perspektive.
Den von Tibet-Unterstützer-Gruppen beschriebene Genozid an den Tibetern gibt es nicht.

Der Dalai Lama und die ‚Exilregierung

Die Person des Dalai Lama ist ja aus der (Regenbogen-)Presse hinreichen bekannt. Als Kleinkind wurde er zum Dalai Lama ernannt (oder auch entdeckt, wenn man so will) und fortan entsprechend ausgebildet. Er ist nach eigenen Angaben eine Inkarnation der früheren Lamas und wird nach 114 Jahren seinen Körper verlassen und später wieder als Inkarnation des Lamas wiederkehren.
Ein plastisches Bild der Situation der Exiltibetischen Community in Dharamsala (für alle, die wie wir noch nicht dort waren) entstammt dem bereits oben erwähnten Artikel von Dorit Lehrack: „ Die Mischung von westlicher Hippie-Kultur mit ihren Internetcafés, Bars und Reisebüros und traditionellen tibetischen Häusern, die an den steilen Hängen von Dharamsala kleben, mutet wie eine Art Disney-Land an – irgendwie unwirklich und nicht für die Ewigkeit gedacht. Dharamsala versucht eine merkwürdige Synthese des traditionellen mit einem visionär modernen Tibet. Tibeterinnen haben die Pflicht, sich traditionell zu kleiden. McLeod Ganj sieht tibetischer aus als Tibet. Aber anders als in Tibet wird die Bevölkerung langsam in die Spielregeln der Demokratie eingeführt: Gewisse Positionen in der exiltibetischen Regierung werden vom Volk gewählt – ein ungewohnter Prozess besonders für die älteren Tibeter, die noch in strengen Hierarchien denken, an deren Spitze seine Heiligkeit steht. Jüngeren Tibetern fällt es leichter, sich an die neuen Regularien zu gewöhnen. Das liegt wohl auch daran, dass die meisten derer, die jünger als 40 Jahre sind, eben hier geboren wurden. Bis auf einige hundert, die als Kinder oder Jugendliche auf die Flucht über den Himalaja geschickt werden, sind es Tibeter der zweiten und dritten Generation, die im indischen Exil leben. Sie haben ihre Heimat noch nie gesehen und tragen – in vielen Fällen – ein recht verklärtes und romantisches Tibetbild mit sich, das von der Schar der ausländischen Pilger geteilt wird. Alle vereint die Vision eines geeinten, unabhängigen und freien Tibet, und für alle sitzen die Schuldigen, die das verhindern, in Peking. Deshalb der Aufruf zum Olympiaboykott, dessen Vorbereitung bereits ins siebente Jahr geht.“ (ND, 14.04.2008)
Auch Jean-Luc Mélenchon äußert sich zu ‚Seiner Heiligkeit’: „Ich kann der ‚Tibetischen Exilregierung’, in der Seine Heiligkeit in fast allen Fragen das Sagen hat, nichts abgewinnen. Auch nicht der Tatsache, dass ihr Mitglieder seiner Familie angehören, was für eine Regierung, auch im Exil, doch sehr ungewöhnlich ist, von Schlüsselpositionen in Finanzen und Verwaltung ganz zu schweigen. Ich respektiere das Recht Seiner Heiligkeit, an das zu glauben, was er verkündet. Aber ich nehme mir das recht das Konzept seines theokratischen Regimes grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich bin auch total dagegen, menschen schon im Kindesalter in Klöster zu stecken. Ich bin gegen die Leibeigenschaft. Ich bin durch und durch ein Verfechter der Trennung von Kirche und Staat und damit auch gegen jede politische Machtausübung durch Religionsführer. Ich missbillige grundsätzlich die Stellungnahmen des ‚Gottkönigs’ gegen die Abtreibung und gegen die Homosexuellen. Wenn diese auch so gewaltfrei klingen und stets von einem Lächeln begleitet sind, so halte ich sie für ebenso archaisch wie sein ganzes theokratisches Konzept. Ich bin zwar gegen den Schah von Iran gewesen, habe aber niemals Ayatollah Chomeini unterstützt. Daher kann ich auch den Dalai Lama nicht unterstützen oder ermutigen, weder in seiner Religion, die mich nichts angeht, noch in seinen politischen Ansprüchen, die ich missbillige, oder gar seinen separatistischen Ambitionen, die ich verurteile. Für mich erhebt sich die Frage, wozu der Dalai Lama einen Staat braucht, wenn er seine Religion ausüben und seine Gläubigen führen will? Einen Staat, den zu errichten bedeutete, von China ein Viertel des heutigen Territoriums abzutrennen! Würde seine moralische und religiöse Autorität leiden, wenn er kein Gottkönig wäre?“ (jW v. 15.04.2008)

Wenig bekannt sind auch die merkwürdigen Freunde des Dalai Lama. Ist der SS-Oberscharführer Heinrich Harrer, den Brad Pitt in der Kinoverfilmung darzustellen die zweifelhafte Ehre hatte, noch den meisten ein Begriff als Lehrer des Dalai Lama, so kennt kaum jemand den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Partei Chiles, Miguel Serrano oder den japanischen Terroristen Shoko Asahara, den der Dalai Lama mehrfach in allen Ehren in Dharamsala empfing. Asahara gehört zur AUM-Sekte und wollte seinen Anspruch als ‚Buddhokratischer Weltendiktator’ wollte Asahara durch die U-Bahn-Attentate von Tokio 1995 unterstreichen. „Zu einer klaren Verurteilung seines ‚spirituellen Freundes’ konnte der Dalai Lama sich bis heute nicht durchringen.“ (Colin Goldner: ‚Ahnungslose Schwärmerei, jW 26.03.2008) Natürlich gehören auch Angela Merkel, Roland Koch und George Bush zu den merkwürdigen Freunden seiner Heiligkeit. Auch die NPD findet seine ‚klar nationalistischen Positionen’ beispielgebend. Der Dalai Lama hat bisher auch nicht erklärt, „ob er mit seinen völkischen ‚Tibet-den-Tibetern’-Parolen nur die Ausweisung der Han-Chinesen aus Großtibet im Auge hat oder ob auch nichttibetische Minderheiten wie Bai, Dengba, Hui, Lhoba, Monba, Mongolen, Naxi, Sherpa oder Uiguren aus dem Land getrieben werden sollen.“ (Colin Goldner: ‚Ahnungslose Schwärmerei, jW 26.03.2008)


Aktuelle Ereignisse
Mitte März kam es – wie durch alle Medien hinreichend kolportiert – zu Aufständen in Lhasa und anderen Städten in und außerhalb Tibets. Sicherlich sind nicht alle Einzelheiten bekannt und die Interpretation der Vorfälle wird – je nach Standpunkt – naturgemäß etwas unterschiedlich vorgenommen werden. Unzweifelhaft scheint uns aber, dass der Ausgangspunkt der aktuellen Ereignisse die Randale überwiegend jugendlicher Tibeter war. Inwieweit das als Antwort auf frühere staatliche Repression oder als Ausdruck einer hoffnungslosen sozialen Situation zu werten ist oder ob es durch andere Kräfte wie den Exiltibetern oder imperialistischen Kreisen gelenkt wurde ist schwer zu sagen.
Wichtig bleibt festzuhalten, dass die progromartige Randale gegen die chinesisch-stämmige Bevölkerung völlig zu recht eine – wenn auch überzogene - Antwort des chinesischen Sicherheitsapparats zur Folge hatte.
Einige Beispiele: Mehrere Han-Chinesen wurden nach einem Bericht von Colin Goldner auf offener Straße in Lhasa durch jugendliche Tibeter und/oder Mönche ermordet, Häuser und Geschäfte gebrandschatzt und geplündert. Es soll etwa 600 Verletzte gegeben haben, darunter die Mehrheit Han-Chinesen. Von den Free-Tibet-Fans wurde demgegenüber von friedfertigen Protesten berichtet. Dies ist nach allem was bekannt ist, nicht haltbar. (Colin Goldner, jW 27.03.2008)
Vor etwa einem Jahr fand in Brüssel eine „International Tibet Support Group Conference“ statt, zu der die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen hatte. Dort wurden die „’Chancen für ein wirklich autonomes Tibet’ ausgelotet, die sich mit den olympischen Spiele im kommenden Jahr böten. Im Herbst 2007 lud der ‚Tibet-Gesprächskreis im Deutschen Bundestag’ zu einer Talkrunde ‚Tibet und Olympia’ ein. Die Diskussion drehte sich klaut Veranstaltungsbericht ‚hauptsächlich um die Frage, ob die Olympischen Spiele einen Hebel bieten, mit dem die Tibetpolitik Chinas beeinflusst werden kann’“ Zweck dieser und ähnlicher Treffen ist zweifellos die Koordinierung von Pro-Tibet-Aktionen. Wie groß der Einfluss auf das aktuelle Geschehen war ist schwer einzuschätzen. Aber zumindest für die Aktionen in den Westlichen Ländern ist anzunehmen, dass sie auf diesen Treffen koordiniert wurden
Der Journalist Klaus Huhn war als Sportreporter aus der DDR bei den Olympischen Spielen in Moskau. Diese wurden 1980 vom Westen boykottiert. Er zieht interessante Parallelen. Damals wie heute wurde die Störaktion gegen die olympischen Spiele von langer Hand vorbereitet. Anschließend wurde wahrheitswidrig behauptet, es sei eine Reaktion auf aktuelle Menschenrechtsverletzungen. 1980 musste Afghanistan als Vorwand herhalten (das wäre heute nicht ganz so gut möglich ...), heute sind es eben die Aufstände in Tibet. Die Medienkampagne war damals wie heute eben das was eine Kampagne ausmacht: verlogen, voller Sensationslust und antikommunistisch. (vgl. jW v. 12/13.04.2008)
Der Bestseller-Autor Frank Sieren zieht in einem Interview Parallelen zu den Vorfällen in den Pariser Vorstädten: „ Wenn Sie die jugendlichen Randalierer meinen - die erinnern mich eher an ihre Altersgenossen in den brennenden Vorstädten von Paris als an die Demonstranten von 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Mit ihrer sinnlosen Gewalt gegen chinesische Händler haben sie Hardlinern in Peking Rückenwind verschafft und die Mehrheit der Chinesen vollends gegen sich aufgebracht. Die Position der Führung und der großen Mehrheit zu Tibet decken sich. Das kehren wir im Westen gern unter den Tisch.“ (Freitag, 04.04.2008) Wenn der Vergleich auch etwas unglücklich scheint, da von den Pariser Vorstadtjugendlichen niemand aus ethnischen Gründen erschlagen wurde, beschreibt es die soziale Dimension des Geschehens.
Der zur Zeit in Peking arbeitende Journalist Marcus Engler zieht in einer früheren Ausgabe des Freitag ebenfalls den Vergleich mit den französischen Vorstädten. „ Wer sind die Aufständischen? Wer sind die Opfer, wie sind sie ums Leben gekommen? - und können nicht erschöpfend antworten. 

Ein Massaker an friedlichen Demonstranten hat es vermutlich nicht gegeben. Im Zeitalter der Handyfotografie, in dem man über ausländische Proxyserver die Internetzensur umgehen kann, gäbe es davon Bilder. Zwar strecken die chinesischen Zensoren ihre krakengleichen Arme in alle Fugen der Gesellschaft. Allmächtig sind sie nicht mehr. 

Was zu sehen ist, erinnert eher an Clichy-sous-Bois 2005 als an Tiananmen 1989, eher an die sozialen Unruhen in Frankreichs Banlieue als an Völkermord. Die bisher verfügbaren Bilder aus den Unruhezonen bezeugen eine massive Polizei- und Militärpräsenz, heftige Rangeleien zwischen Tibetern und Sicherheitskräften. Gewiss kann das Vorgehen der chinesischen Regierung nicht gebilligt werden. Ebenso wenig wie die drakonischen Strafen, die den Aufständischen drohen. Die Szenen aus Tibet lassen indes auch erkennen, wie sich Polizisten hinter Plastikschilden vor Steinen schützen. Man sieht wie Tibeter Scheiben einschlagen, Geschäfte plündern und chinesische Fahnen verbrennen. Man sieht brennende Häuser und qualmende Fahrzeuge. Dass Panzer oder Schusswaffen gegen Mönche oder tibetische Zivilisten eingesetzt wurden, lässt sich bislang nicht belegen. 

Die chinesische Regierung steht stets unter Propagandaverdacht, doch muss jede auf Wirkung bedachte Propaganda mehr als nur Spuren von Wirklichkeit einbeziehen. Derzeit sprechen die in Peking offiziell kolportierten Kommuniqués von "Vandalismus" und einem "wütenden Mob", dem die Verantwortung für die Zerstörungen anzulasten sei. Sie machen den Dalai Lama und die Demonstranten für die Toten verantwortlich, die in brennenden Häusern starben. Keine Indizien gibt es dafür, dass der Dalai Lama und "seine Clique" die Ereignisse minutiös geplant und noch während der Krawalle aus dem indischen Asyl koordiniert hätten. Erklärungen des Exilierten deuten eher darauf hin, dass er sich von radikaleren Kräften wie dem Tibetischen Jugendkongress übergangen fühlt. 


Es liegt nahe, dass Tibeter die sich mit den Olympischen Spielen bietende Gelegenheit nutzen wollen, um noch mehr Aufmerksamkeit und Hilfe im Westen zu erheischen. Andererseits handelt es sich in Lhasa wohl auch um die spontane Rebellion perspektivloser Jugendlicher. Wie groß ihre Frustration sein muss, lässt sich dem Willen entnehmen, trotz des zu erwartenden Ausgangs den Kampf David gegen Goliath aufzunehmen. 

Was aber wäre, wenn Chinas Regierung dem Dalai Lama noch heute die Macht in Tibet übertragen würde? Es gäbe mit Sicherheit eine Restauration feudaler Verhältnisse wie in Bhutan, die Menschen wären bettelarm und hätten wenig zu sagen. Die Dominanz der Chinesen mag keine Alternative sein, aber nüchtern betrachtet kann es eine Zukunft für die Provinz nur als Teil Chinas geben. Immerhin wurde zuletzt beträchtlich in die Infrastruktur investiert, und der jüngste Gewaltausbruch schadet den Tibetern mehr als er ihnen nützt. Die Fronten verhärten sich, die Hardliner in der chinesischen Führung sehen sich gestärkt, Bemühungen um einen zivilisierten Umgang mit dem Konflikt werden erschwert. Eine aufgeregte, zu Übertreibungen neigende Berichterstattung im Westen verringert die Spielräume zusätzlich.“ (Freitag, 30.03.2008)


Fazit
Das Sprachrohr des deutschen Großkapitals, die Franfurter Allgemeine, nimmt wie gewohnt kein Blatt vor dem Mund. Auch wenn sie dies durch den Mund von Antje Vollmer tut, so gesteht die FAZ unumwunden ein, dass die Situation der Tibeter völlig uninteressant ist:
„Warum gerade Tibet? Seit mehr als einem halben Jahrhundert spielt der Nicht-Staat am oberen Ende der Welt eine immer größere Rolle in der internationalen Politik. Dabei ist seine unmittelbare machtpolitische und ökonomische Bedeutung für die – überwiegend westlichen – Staaten, deren Gesellschaften und Regierungen viel über Tibet diskutieren und den Dalai Lama empfangen, gering. Washington will in Tibet keinen Raketenschirm aufbauen, größere Ölreserven liegen nicht unter dem Dach der Welt. Überhaupt gibt es nicht so reichliche Bodenschätze, dass sie als Casus Belli taugten.
Von Tibet geht keine atomare Bedrohung aus wie von Iran oder Pakistan, keine terroristische wie von Afghanistan, Tibet ist kein Unruheherd in Europa, wie der Balkan, es gibt nicht einmal die Gefahr des Darfur-Konflikts, dass beim Nichteinschreiten der Weltgemeinschaft Flüchtlingsströme nach Europa kommen. Genaugenommen ist Tibet der uninteressanteste Regionalkonflikt der Welt. Unmittelbar.
Mittelbar gilt das Gegenteil. Antje Vollmer, jene Grünen-Politikerin, die 1995 als Vizepräsidentin des Bundestages den ersten Empfang des Dalai Lamas im höchsten deutschen Parlament organisierte, beschrieb es in der „Zeit“ Ende vorigen Jahres so: „Es gibt westliche Strategien gegenüber China, und die Tibet-Frage kann eine Trumpfkarte im großen weltstrategischen Poker mit China werden.“ Allerdings sei es nicht gesagt, dass das auch die Karte sei, „die dem realen Schicksal der Tibeter am meisten nutzt“. Heißt: Tibet kann nicht nur als innenpolitischer, sondern auch als außenpolitischer Hebel von den internationalen Gegenspielern Pekings eingesetzt werden, wobei das Schicksal der Tibeter nicht das handlungsleitende Motiv ist.“ (www.faz.net: Der Trumpf im Weltpoker, Stand 27.04.08)
Zum Abschluss noch einmal Jean-Luc Mélenchon: „Was das Völkerrecht und die Geopolitik betrifft, so ist das Tibet-Projekt, wie es heute so vehement verfochten wird, ein Faktor von Gewalt, Krieg und Destabilisierung, der mit den Vorgängen auf dem Balkan vergleichbar ist. Was für ein Tibet wird hier eigentlich gefordert? ‚Groß-Tibet’, einschliesslich der Provinzen Yunnan und Sichuan, wo im ehemaligen Herrschaftsbereich der Mönche gleichzeitig mit Lhasa Unruhen organisiert wurden? Zweifellos will kaum einer von denen, die sich heute so über Tibet erregen, wirklich wissen, was das in der Praxis bedeutet. Nichts charakterisiert besser den Neokolonialistischen Paternalismus der protibetischen Kampagne als die Gleichgültigkeit gegenüber solchen Fragen, die Millionen Menschen und Jahrhunderte chinesischer Geschichte und Kultur einfach so in Frage stellen. (jW v. 15.04.2005)
Damit sind die zwei wichtigsten Ebenen der gegenwärtigen Kampagne noch einmal umrissen: Die Attacke gegen das aufstrebende China als Leitmotiv der herrschenden Politik auf der einen Seite und – ob mutwillig oder nicht, bewusst oder unbewußt - die neokoloniale Überheblichkeit der Free-Tibet-Fans andererseits.
Schulungskreis der AG International Landshut, Juni 2008

 

nächste termine

Mo. 02.08.10: Offener Treff des Forum Autonomer Umtriebe Landshut

Offener Treff der Gruppe [F.A.U.L.] im Infoladen Landshut, jeden ersten Montag im Monat ab 19:30 Uhr
--> Leckeres Essen
--> Diskussionen
--> Klatsch und Tratsch
--> Abchillen
Und ganz wichtig:
--> Lernt uns kennen und kommt zu [F.A.U.L.]

 

Checkt: faul.blogsport.de

 
So. 15.08.2010: Treffen AG 28 Thesen

Arbeitstreffen der AG 28 Thesen  im 1.-Mai-Bündnis

15.00 Uhr
Infoladen Landshut, Wagnergasse 10

 
So. 19.09.2010: Treffen 1.Mai-Bündnis

Vorbereitungs- und Diskusionstreffen des "1-Mai-Bündnis"
Thema ist u.a. eine Auswertung der "28 Thesen" durch die gleichnamige AG
Alle interessierten Gruppen und Einzelpersonen, die sich am kommenden´1.Mai an einem antikapitalistischen 'Block' beteiligen wollen sind herzlich eingeladen.

17.00 Uhr
Infoladen Landshut, Wagnergasse 10