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| Attac-Gruppe in Erding gegründet |
| von ah 18.06.02 |
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Attac. Das klingt gut. So nach Attacke, Angriff. Dabei ist Attac nur die „Vereinigung zur Besteuerung der Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger“, also eine Bürgerbewegung. Aber attac zieht Leute an. Warum, das weiß niemand so genau. Ist es Parteienverdrossenheit oder sind es die Medien, die wieder einmal fündig wurden? Oder waren es die Hunderttausende, die in den letzten Jahren bei den Treffen der Mächtigen dieser Erde die Globalisierungsfolgen beschwörend „Unruhe“ stifteten. „“Sie sind erfolgreich wie Greenpeace, ihre Aktionen ähnlich spektakulär“ – äußerte sich der SPIEGEL. Vor wenigen Wochen wurde eine attac-Gruppe in Freising gegründet, bald danach war in der Lokalpresse auch über eine Gründungsversammlung in Erding zu lesen. Treibende Kraft war der stellvertretende DGB-Ortsverbandsvorsitzende Thomas Teufel. Zwar herrschte in Erding in den letzten Jahren politische Friedhofsruhe und aufrührerisches Potential war nirgends zu entdecken, aber für eine neue Bürgerbewegung gibt’s selbst in Erding was zu holen. Heimatlos sind inzwischen einige grüne AktivistInnen, die den Kriegskurs ihres Haufens nicht mehr aushielten und nach einer nicht allzu radikalen, möglichst moralischen Alternative herumirren. Was könnte da geeigneter sein als eine lose, unverbindliche Gruppierung, „Als Mitglieder willkommen heißt attac Erding Menschen jeder Religion oder Parteizugehörigkeit“ (ErdSZ, 14.6.02) soll deshalb folgerichtig bei der Gründungsversammlung angeboten worden sein. Ob soviel Toleranz konnte es sich selbst der Kreisverband der Erdinger Grünen nicht verkneifen, dem bundesweiten Netzwerk beizutreten. In der Regionalpresse befürwortete die Grünensprecherin Helga Stiglmeier den Beitritt. Sie, die als Delegierte auf dem Bundesparteitag für den Angriffskrieg auf Afghanistan votiert hatte, meinte: “Ein Blick in das Grundsatzprogramm und das Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen genügt, um festzustellen, dass wir vor einem Eintritt bei attac nicht konsequenterweise aus der Partei austreten müssen.“(H. Stiglmeier, ErdSZ, 10.5.) Genau dies hatte ein Leserbriefschreiber argumentativ angemahnt: „Die deutsche Regierung...fordert in weiten Bereichen eine schnellere Gangart bei der sog. Liberalisierung des Welthandels. Grüne und Sozialdemokraten, die z.B. bei attac mitmachen...müssten doch konsequenterweise vorher aus ihren Parteien austreten. Die Gewerkschaften, die bei attac Mitglied werden wollen, müssten sich vorher von der Ideologie der Standortsicherung verabschieden.“ Wer so argumentiert, kommt beim Freundeskreis von attac nicht gut an. Zwar sprechen sich zentrale Papiere von attac zumeist eindeutig gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr und der NATO aus, andererseits tummeln sich unter den prominenteren Attac- Mitgliedern nicht wenige Abgeordnete der Regierungsparteien, die in ihrer täglichen Praxis neoliberale Politik befördern und den weltweiten Einsatz der Bundeswehr befürworten. Den Erdinger Attaclern ist – um nicht mit den eigenen Widersprüchen zu sehr ins Gehege zu kommen – anzuraten, bestimmte Themen auszuklammern. Halten sie sich daran, etabliert sich mit attac in Erding ein weiterer politischer Laden (Gemischtwaren), der nach dem Motto „Leben und leben lassen“ eine Nischenexistenz findet. |
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Gerhard Hanloser (Hg.)
"Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken"
Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik
