Dorfen: 1000 gegen Nazis
Am Samstag, den 11.12.04 protestierten insgesamt ca. 1000 Menschen in Dorfen gegen die gleichzeitig stattfindende Demonstration der NPD. Da das Demonstrationsverbot für die Innenstadt gerichtlich bestätigt wurde, liefen die etwa 70 Nazis aus NPD und freien Kameradschaften nur im Süden Dorfens, die geplante Gegendemo des "Bündnis gegen Nazis" reduzierte sich auf eine Kundgebung auf dem nördlich gelegenen Johannisplatz. Vor etwa 800 Leuten sprachen dabei der Journalist Max Brym aus München, eine Vertreterin des Dorfener Jugendzentrums und H.-J. Vogel (SPD) sowie spontan 5 weitere Kundgebungsteilnehmer, darunter auch der Dorfener Bürgermeister Sterr von der CSU. In den zueinander sehr kontroversen Beiträgen wurde der Unterschied zwischen bürgerlichem und marxistischem Antifaschismus überdeutlich. Max Brym führte anhand des historischen deutschen Faschismus die sozialen Enstehungsbedingungen des Nationalsozialismus aus und verglich die Sozialraub-Politik der Regierung Schröder mit der Politik der Regierung Brüning zu Beginn der 30er Jahre. Sein Fazit: Antifaschismus ist nur dann wirklich erfolgreich, wenn er auch antikapitalistisch ist. Dagegen kam der prominente Sozialdemokrat Vogel über ein appellatives Bekenntnis zur Demokratie und gegen deren Feinde von rechts, und seiner Meinung nach natürlich auch von links, kaum hinaus.
Nach der Kundgebung zogen viele Nazi-GegnerInnen zur NPD-Demonstration und unterstützten die dort anwesenden Antifaschistinnen. Einige Blockadeversuche wurden vom USK auf die bekannt brutale Art vereitelt. Der Nazi-Umzug wurde bis zum Schluß lautstark und wütend begleitet, es kam zu einigen Verletzungen und Festnahmen auf antifaschistischer Seite.
Das Jugendzentrum war zwar den ganzen Tag über gut besucht, mußte aber das städtische Verbot des für den Abend geplanten "beats against fascism" hinnehmen.
Insgesamt können die Proteste gegen die NPD in Dorfen als deutlicher Erfolg des Antifaschismus gewertet werden. Zwar gelang es nicht, die Demo der Nazis zu verhindern, doch wurde das selbstgesteckte Ziel der NPD, propagandistisch an die Dorfener Bevölkerung heranzutreten, wie schon am 20.11. und 4.12. weitgehend verhindert. Zudem gelang es Aufklärung über faschistische Strukturen zu betreiben und Zusammenhänge zwischen der Krise der bürgerlichen Klassengesellschaft und nationalistischer Radikalisierung aufzuzeigen.
a-i-z.net
|
|