Der Menschenschlag in der bayerischen Hochebene lebt scheinbar nach dem Grundsatz: "Meine Ruhe möchte ich haben". Dennoch beherscht ihn oft der Trieb nach dem Spektakel. Wenn es zu langweilig wird, werden alte Erinnerungen wiederbelebt. So geschehen in den Waldkraiburger Nachrichten vom 5. Dezember 2004. In dem Artikel wird meiner nicht völlig verkorksten Jugend gedacht.


Der Bürgerschreck von Waldkraiburg
Der "rote Max" in den 70er Jahren


Waldkraiburg (fo) - Der "rote Max" - wenn es um die politischen Konflikte im Waldkraiburg der 70er Jahre geht, kommt man an diesem Namen nicht vorbei. Sei es als Herausgeber einer linken Monatszeitschrift oder als provokanter Wortführer diverser kommunistischer Gruppierungen in der Bürgerversammlung. Max Brym - so der bürgerliche Name des Bürgerschrecks - sorgte für so manchen Tumult.

Eigentlich sei es ja das konservative Umfeld in Waldkraiburg gewesen, das ihn in Richtung Marxismus getrieben hätte, so Brym. "Erst als ich als Kommunist beschimpft wurde, habe ich mich mit den Ideen von Marx und Engels auseinandergesetzt", sagt er. Er trat 1973 mit 16 Jahren in die Deutsche Kommunistische Partei ein, wechselte schon 4 Jahre später in den Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD. Für diesen gab er ab 1977 nach eigenen Angaben "eines der gefragtesten Blätter Waldkraiburgs" heraus - den roten Landboten. Von vielen schlicht "Hetzblatt" genannt, habe das kommunistische Blatt "diverse Querelen innerhalb der lokalen SPD und CSU enthüllt", so Brym.

Er war eine der umstrittensten Personen im Waldkraiburg der 70er. So warf die CSU dem jugendlichen Brym in einer Bürgerversammlung vor, "politisch geschult" zu sein. In der Folge entstand das Gerücht, Brym sei in der DDR ausgebildet worden. Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten habe er "alle durcheinander gebracht", erzählt Peter Lang, ein ehemaliger Schulkamerad Bryms. Das tat er vor allem bei verschiedenen Anträgen und lautstarken Wortmeldungen in der Waldkraiburger Bürgerversammlung. Als "legendär" gelten seine damaligen Wortgefechte mit dem damaligen SPD-Bürgermeister Dr. Josef Kriegisch.

Als sein Verdienst bezeichnet es Brym, daß der des Geschichtsrevisionismus verdächtigte Sudetendeutsche Erzieherbund sein Büro im Rathaus schliessen mußte. "Noch heute sprechen mich alteingesessene Waldkraiburger an, die zwar meine politische Gesinnung nicht teilen, aber sagen, daß ihnen meine Beiträge in der Bürgerversammlung abgehen", erzählt Brym nicht ohne Stolz.

Kritischere Stimmen nennen Brym einen "kommunistischen Agitator" und ein "Fossil der 70er-Jahre".