Göring im Münchner Jagdmuseum:
Seltsames Jägerlatein


Vergangenen Mittwoch zeigte das Magazin "Zeitspiegel" des "Bayerischen Fernsehens" einen Bericht über braune Traditionspflege im Münchner Jagdmuseum. Der Bericht von Jutta Henkel brachte zum Vorschein, dass dort "Jagdtrophäen" von Hermann Göring zu sehen sind. Das Jagdmuseum in München liegt in der Fußgängerzone im Stadtzentrum und wird von einer Stiftung betrieben, an dem das Landwirtschaftsministerium und die Stadt München beteiligt sind. Jährlich lässt sich die Stadt München das Ganze 45.000 Euro kosten. An der schönsten beinahe kathedralen Stelle des Museums hängen Hirschgeweihe, die der zweitmächtigste Mann des dritten Reiches, Hermann Göring, geschossen hat.

Der Massenmörder Göring, von dem der Chef des RSHA im Juni 1941 den Befehl erhielt, die "Endlösung der Judenfrage" vorzubereiten, war damals auch "Reichsjägermeister". Mit keinem Wort wird im Museum auf die Person des Schützen Göring eingegangen, es wird nur erwähnt, wann, wie und wo Hermann Göring das Wild erlegte. Die Jagd benützte Göring in der Zeit des Faschismus, um sich als redlicher jovialer Sportsmann und Schütze zu verkaufen. Unzählige "Wochenschauberichte" zeigten damals den "Reichsjägermeister" in Aktion. Diese Tradition scheint das Münchner Jagdmuseum ungebrochen fortzusetzen. In der ehemaligen Kirche wird das Andenken an Hermann Göring bewahrt.


"Ein Mann in seiner Zeit"

Der Leiter des Museums verteidigte gegenüber dem Zeitspiegel die Ausstellungspraxis. Er sagte u.a.: "Sie müssen Göring in seiner Zeit sehen, er ist halt auch ein Bestandteil der Jagdgeschichte". Der Museumsdirektor trennte also den Massenmörder Göring vom Jäger Göring und bedient sich dabei objektiv moderner Geschichtsrevisionisten, die am Nazismus bekanntermaßen immer mehr "gute Seiten entdecken". Dem wichtigsten Mitarbeiter Görings in der ehemaligen "Reichsjägerei" sang der Museumsleiter geradezu eine Hymne. Er erklärte auf die Frage, warum auch Geweihe des Herrn Frevert undokumentiert gezeigt würden und diesem im letzten Jahr sogar eine Sonderausstellung gewidmet wurde: "Herr Frevert hat wertvolle Verdienste in Sachen Hundezüchtung vorzuweisen".

Die Logik solcher Gedanken könnte zu dem Schluss führen, auch den Ärzten von Dachau und Auschwitz zu gedenken. Es lässt sich mit Sicherheit irgendein geschichtsentsorgender medizinischer Fachidiot finden, der den Herrschaften fachliche Verdienste zuordnet. Es verwundert nicht, dass im Jagdmuseum München dem Münchner "Miniaturgöring" Christian Weber gedacht wird. Dieser ehemalige Rausschmeißer gab einen der ersten Leibwächter Hitlers und durfte später als Münchner Ratsherr ein protziges Leben führen. Weber nannte sich "Jagd- besessen" und als "Jäger" wird er auch im Museum abgehandelt.


Eine Provokation

In der Sendung forderte ein Professor, "Schluß zu machen mit dieser Darstellung". Der Bericht stellte auch die Frage, wie es denn mit dem offiziell propagierten Kampf gegen Rechts bestellt sei, wenn gleichzeitig Exponate von Hermann Göring zur Schau gestellt würden. Zur Ausstellungspraxis im Münchner Jagdmuseum wollte weder ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, noch Oberbürgermeister Ude Stellung beziehen. Der Journalist Max Brym sagte in der Sendung: "Von meinen von den Nazis ermordeten Angehörigen ist weder ein Grab, noch ein Bild oder eine Haarlocke übrig geblieben. Aber die Geweihe des braunen Massenmörders Göring werden zur Schau gestellt. Das ist eine ungeheuerliche Provokation."


Alexandra Cohen