München - Stoppt
die Nazis:
Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda
Am 30. November
versuchen neuerlich nazistische Organisationen durch München zu demonstrieren.
Anlass für die faschistische Provokation ist die in München, noch bis
zum 25. November zu sehende Ausstellung "Vernichtungskrieg der Wehrmacht".
Bereits vor einigen Wochen probierten ca. 500 Neonazis in München zu demonstrieren.
Allerdings scheiterte ihr Versuch, bereits nach wenigen hundert Metern.
Das wollen die Nazis offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen.
Am 12. Oktober
stellten sich ca. 3000 Demokraten und Antifaschisten den Nazis in den
Weg. Ihr damaliger Zug wurde durch ein breites gesellschaftliches Bündnis
gestoppt. Diese Selbstaktivität war vonnöten, denn das Münchner Kreisverwaltungsreferat
und die örtliche Polizeileitung beabsichtigten den Nazis die Straße zu
überlassen. Wie der SZ vom 14. November zu entnehmen ist, brachte am 12.
Oktober nur die massive Präsenz der Antifaschisten die Polizei zum umdenken.
Dennoch duldete die Polizei an jenem Tag die offene Propagierung nazistischen
Gedankenguts. Die Naziwehrmacht und der Nationalsozialismus, durfte ohne
das die Polizei eingriff verherrlicht werden. Aus diesem Grund erstatteten
Claus Schreer sowie Martin Löwenberg vom "Bündnis gegen Naziaufmärsche"
Strafanzeige gegen den Chef der Münchner Ordnungsbehörde Blume-Beyerle
und den Leiter der Polizeieinsatzkräfte Polizeivizepräsident Jens Vierling.
Nun ruft
das "Bündnis gegen Nazi-Aufmärsche" neuerlich dazu auf, sich am 30 November
den Nazis in den Weg zu stellen. Das Bündnis repräsentiert ein breites
Spektrum an Unterstützern. Stadträte Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen
sind ebenso dabei wie Gewerkschafter Betriebsräte sowie Organisationen
wie DKP, Jusos , Linksruck, PDS aber auch christliche Vereinigungen und
Pazifisten. Nicht ohne Grund wird in dem Flugblatt darauf verwiesen, dass
der Naziaufmarsch am 30. November nur durch kreatives und entschlossenes
Handeln der Münchnerinnen und Münchner verhindert werden kann. Gegenüber
der Polizei und dem Kreisverwaltungsreferat ist das Bündnis skeptisch.
Diese Skepsis
hat Gründe ! Unter der Überschrift " Es ist zum Kotzen" berichtet ein
Redakteur der Süddeutschen Zeitung, über Gemütslagen und Planungen im
Polizeipräsidium für den 30. November. Am 14. November 02 stand folgendes
in der SZ: "Im Polizeipräsidium arbeiten die Strategen daran, wie das
Demonstrationsrecht der Neonazis durchgesetzt werden kann". Weiter heißt
es in dem Bericht:" Die Polizei will am 30. November durchgreifen, auch
bei der ersten Demonstration am 12. Oktober hatte die Einsatzleitung das
vor. Angesichts der Übermacht der Gegendemonstranten wurde eine Räumung
aber letztlich nicht riskiert". Diesmal will die Polizei nach eigenem
Erklärungen durch stärkere Einsatzkräfte den Naziaufmarsch auf jeden Fall
sichern.
Die Neonazis
sollen also sicher, wahrscheinlich vom Hauptbahnhof via Goethe- oder Schillerstrasse
zur Theresienwiese geleitet werden. Polizeivizepräsident Viering wird
am 14 November in der SZ zitiert: "Diese Aufrufe zum Rechtsbruch (gemeint
sind die Nazigegner) aus dem bürgerlichen Lager sind höchst kontraproduktiv."
Allerdings erklärte der Polizeivizepräsident, "dass sich die Polizei neuerlich
überlegen könne, den Umzug der rechten Demonstranten zu stoppen, wenn
viele Münchner sich dem Umzug in den Weg stellen". Ob es demzufolge einen
braunen Marsch durch München gibt, hängt von der Zahl der antifaschistischen
Demonstranten ab.
Max Brym,
November 2002
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