Bodensee statt
Buchenwald
oder Walser
gibt ein Interview
Mitte Juli
gab der sattsam bekannte "Literat vom Bodensee" Walser der israelischen
Tageszeitung Yedioth Achronoth ein Interview. Normalerweise findet das
deutsche "kulturelle Leben" in der israelischen Öffentlichkeit gegenwärtig
kaum offene Resonanz. Walser hat es allerdings geschafft, in der von Terror,
Blut und militärischer Gegenaktion geprägten israelischen Wirklichkeit
auf Interesse zu stoßen. Seine antisemitische Tötungsphantasie gegen Marcel
Reich-Ranicki in dem Roman "Tod eines Kritikers" hat sich bis Tel Aviv
herumgesprochen. Deshalb befragte der Journalist Eldad Beck Mitte Juli
den wehmütig jammernden Walser. Das Interview mit Walser zeigt deutlich
um welch literarisch verpackten latenten Antisemiten es sich bei Walser
handelt.
Wie jeder
vom antisemitischen Wahn befallener, beginnt Walser am Anfang unglaublich
zu jammern. Er sieht sich als die verfolgte Unschuld vom Bodensee. Dies
kommt in folgenden Worten zum Ausdruck: "In dieser Atmosphäre des Mißtrauens
habe ich einfach keine Chance. Ich habe keine Ahnung, wer hinter dieser
Kriegserklärung gegen mich steht." Am Ende der Passage betrachtet der
"Leidende" seine Frau und malt folgendes Schreckensszenario: "Es wird
vielleicht keinen anderen Ausweg geben, als für unbestimmte Zeit in ein
anderes Land zu gehen." Er versucht den Eindruck zu wecken, als ob ihm
ungeheuer zugesetzt werden würde, wegen seines Buches.
In Wirklichkeit
sind von diesem Werk bereits mehr als 150.000 Exemplare in deutschen Landen
abgesetzt worden. Sein Haus am Bodensee erreichen jede Menge Briefe in
dem die "deutsche Volksseele" feststellt: "Endlich hat jemand gesagt,
was wir denken." Über mangelnde Aufmunterung braucht sich Walser ebenso
wenig zu beschweren, wie ein Herr Möllemann, die tausendfache Sympathieerklärungen
für ihre antisemitischen Ausfälle erhalten. Das ist auch kein Zufall,
denn das ZDP-Politbarometer vom Mai 2002 bescheinigte, daß über ein Viertel
der Deutschen hinter der Aussage stehen: "Daß die Juden am Antisemitismus
selbst schuld seien."
Trotz dieser
breiten Massenunterstützung ist Walser nicht offensiv, sondern "schöngeistig
wehleidig". Der israelische Journalist konfrontierte Walser mit der Aussage
"der Tote leidet mehr als der Mörder", bezogen auf Andre Ehrl König in
dem Roman "Tod eines Kritikers". Ob er damit versuche die deutsche Geschichte
zu entsorgen fragte der Journalist Beck. Darauf antwortet Walser: "Der
Tote leidet nicht mehr, der Mörder schon. Es ist besser getötet zu werden,
als zu töten." Zudem warnt Walser den israelischen Journalisten, nicht
die Vergangenheit Deutschlands ins Spiel zu bringen, sondern er solle
doch für seine literarische Komödie Verständnis haben. "Man könne nicht
alles vor dem Hintergrund von Auschwitz betrachten." Ergo der getötete
Jude hat es gut und der antisemitische Mörder hat ein schweres Leben,
so ist die perfide Logik Walsers.
Walser und die deutsche Geschichte
Walser erklärte
in der Zeitung, "Die Nazis haben den Krieg nicht begonnen, um Auschwitz
bauen zu können." Folglich ist Auschwitz der systematische Massenmord
vor allem an den Juden, nach walserscher Logik vielleicht doch eine Abwehrmaßnahme
gegen den "jüdischen Bolschewismus". Womit er bei dem Historiker Ernst
Nolte und seiner These, "Auschwitz wäre eine Notwehraktion gegen den asiatischen
Despotismus Stalins gewesen", gelandet ist. Der israelische Journalist
konnte diese Grundaussage Walsers in seiner Fragestellung nicht gut genug
heraus kitzeln. Dennoch entlarvte sich Walser an späterer Stelle noch
deutlicher, indem er u.a. behauptet: "Niemand wußte, daß Hitler ein solcher
Antisemit ist." Damit sind neuerlich die Deutschen aus der Geschichte
entlassen. Sie sind unschuldige Lämmer, denen nichts, aber auch gar nichts
in der damaligen Zeit auffiel.
Das Ganze
liegt auf der Linie, die Walser schon 1979 ausdrückte, indem er erklärte:
"Wir müssen Auschwitz überwinden, um wieder eine normale Nation zu werden."
Unter normaler Nation versteht die gegenwärtige Bundesregierung, daß bundesdeutsches
Militär weltweit eingesetzt wird. Schröder drohte ungefragt dem israelischen
Staat an, deutsche Truppen nach Israel-Palästina zu schicken, um den Konflikt
zu entschärfen. Die literarische Begleitmusik liefert objektiv der Literat,
der von der "Moralkeule Auschwitz" nichts mehr hören will (Paulskirchenrede
1998), nicht umsonst jubelt ihm die ganze deutsche Elite damals zu. Am
8. Mai 2002 führte der von Kanzler Schröder geladene Walser im Bundeskanzleramt
u.a. aus: "Schuld an Hitler sei Versailles." Der dadurch provozierte Hitler
sei von den Deutschen in Sachen Antisemitismus nicht durchschaut worden,
so Walser in der israelischen Presse.
Es bleibt
festzuhalten: Im jetzigen Deutschland kann man, auch einem jüdischen Literaturkritiker,
wie es Walser getan hat, den Tod wünschen ( demzufolge kein Wort mehr
über Auschwitz) und die herrschende Politkaste kann Soldaten unbelastet
in der Welt herumschicken. Bundesdeutsche Wirklichkeit im Jahr 2002, die
den Israelis auffiel, nur einigen Deutschen noch nicht, denn der "Literat"
hat Verteidiger aus der Mitte der Gesellschaft, aber auch sogenannte "linke"
verteidigen das literarische Werk des Herrn vom Bodensee. Diese Realität
darf nicht akzeptiert werden.
Max Brym,
August 2002
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