Koks hin,oder her, Friedman muß wieder her


„Öffentliche Hinrichtung“

So nannte der Anwalt von Michel Friedman, den Umgang mit seinem Mandanten. Dieser Vorwurf gegen die Staatsanwaltschaft Berlin, ist absolut gerechtfertigt. Medienwirksam stürmten Polizeieinheiten die Wohnung sowie die Kanzlei von Michel Friedman. Der Beschuldigte wurde, nachdem angeblich Kokain gefunden wurde, dazu genötigt an Ort und Stelle, sich eine Haarprobe entnehmen zu lassen. Normalerweise hat die Staatsanwaltschaft die Aufgabe, einen Beschuldigten zu überführen. Kurz nach der Aktion setzte die Staatsanwaltschaft die Kokain- Sexorgien- und Menschenhändlergeschichten in Umlauf. Jetzt beschloß die Staatsanwaltschaft ( ab 19.6 ) keinerlei Erklärungen mehr abzugeben.

Offensichtlich handelt das Berliner Amt nach der Devise: Ist Friedmans Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. Die Beweislage ist dünn, ein Video in dem Michel Friedman mit nackten Frauen zu sehen sein soll, ist dermaßen unscharf, daß der Mann im Bademantel auch Stefan Raab oder Dieter Bohlen gewesen sein könnte. Nichtsdestotrotz hat die Staatsanwaltschaft Berlin Gerüchte in Umlauf gesetzt, um jetzt vornehm zu schweigen.

Das antisemitische Ressentiment ist bedient und der antisemitische Mob an den Stammtischen jubiliert. Wenn die Aktion gegen Michel Friedman mit dem Fall des rechtspopulistischen Hamburger Innensenators Roland Schill verglichen wird, könnte ein Schelm böses vermuten. Zur Erinnerung: Roland Schill wurde öffentlich in einer TV- Sendung des Drogenkonsums bezichtigt. Daraufhin konnte Roland Schill in aller Ruhe ins entfernte München reisen und sich freiwillig ein Haar zwecks Untersuchung entnehmen lassen. Es fand keine spektakuläre Durchsuchung der Privaträume und der Diensträume von Roland Schill statt.

Anders als im Fall Schill verhält sich jetzt die Staatsanwaltschaft Berlin, sie hat sich im „Fall Friedman“ weit aus dem Fenster gehängt, es ist schlimmes zu befürchten. Zwei Prostituierte sind die Hauptzeugen der Anklage, jeder weiß, Prostituierte sind aus mehreren Richtungen erpressbar. Augenscheinlich will die Staatsanwaltschaft, über diese Schiene, Michel Friedman den Vertrieb von Kokain anhängen. Denn Eigenkonsum, wenn er nachgewiesen werden könnte, ist nicht strafbar.

Aber bei Friedman kommt hinzu, wenn ihm Konsum von Kokain nachgewiesen würde, hätte er wahrscheinlich in diesem Land ausgespielt. Er hätte ein anderes Schicksal zu erwarten, wie der vor einiger Zeit verstorbene Spiegel- Herausgeber Rudolf Augstein. Jener wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten mit Kokain erwischt. Dies verursachte keine große Aufregung und stand einem Staatsakt, anläßlich seiner Beerdigung, nicht im Weg. Im „Fall Friedman“ ist alles anders, ein Blick in die Presse genügt. Am klarsten ist dieses „ANDERS“ erkennbar, an der skandalösen Stellungnahme des Unionspolitikers Friedrich Merz.


Merz bedient den Antisemitismus

Am 19.6 äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Merz, in einem Fernsehkanal zu den Vorwürfen gegen seinen „Parteikollegen“ Friedman . Der Erzkonservative Merz erklärte: „Der Vorfall schade Friedman mehr, als der CDU“. Bezogen auf die Jüdische Gemeinde bekundete Herr Merz das Gegenteil:“Das Festhalten an Friedman durch die Jüdischen Gemeinden schade deren Sache“.

Hier wird klar, wie wenig Herr Merz das Judentum und eine normale Existenz deutscher Juden akzeptiert. Wenn Herr Friedman tatsächlich gekokst hat, dann sicher nicht im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinden, auch nicht auf Anweisung des „ Zentralrates der Juden in Deutschland“. Friedrich Merz ist außerstande Michel Friedman als Privatperson zu behandeln. Ein Jude kann nach Merz durch das Koks allen Juden in Deutschland schaden.

Herr Merz hat nicht die Behauptung aufgestellt, dass durch die Kokserei von Christoph Daum, die ganze Fußballbranche Schaden genommen hat. Es ist antisemitisch, das Tun und Handeln eines einzelnen Juden mit den deutschen Juden insgesamt in Verbindung zu bringen. Abgesehen davon, dass es für die Delikte die Michel Friedman vorgeworfenen werden, bis zur Stunde keinen Beweis gibt. Im Gegenteil, die Beweislage wird dünner, makaberer und strafrechtlich uninteressant.


Koks hin, oder her, Friedman muß wieder her

Friedrich Merz bedient im Stil des verstorbenen Jürgen Möllemann den Antisemitismus in Deutschland. Daneben will er mit einem unliebsamen „ Parteifreund“ aufräumen. Friedman ist vor einigen Jahren demonstrativ aus der hessischen CDU ausgetreten. Grund war für ihn, die rassistische Kampagne von Roland Koch gegen den Doppelpaß. Als die hessische CDU ihre Spendenaffäre mit „ unbekannten jüdischen Großspendern“ erklären wollte, hatte Michel Friedman endgültig die Schnauze voll.

Die Sendung „Friedman“ geht vielen aus der politischen Kaste, gegen den Strich. Meist ist Friedman nicht mit billigen Floskeln zufrieden, sondern er bohrt nach. Friedman will in Deutschland, den Dissens, statt dem Konsens zur politischen Leitkultur machen. Dieser Ansatz muß von Links her unterstützt werden. Steht er doch im Gegensatz, zum herrschenden Programm, den sozialen Kahlschlag, den Rassismus und Antisemitismus im deutschnationalen Konsens durchzuführen.


Max Brym