Palästina-Komitee
München:
Antisemitismus
als Leitkultur
Am 9. November
führte das Palästina-Komitee München unter dem Titel “Dürfen Deutsche
Israel kritisieren?” eine Podiumsdiskussion im Eine-Welt-Haus durch. Ungefähr
100 Personen, hauptsächlich Deutsche und Palästinenser, folgten der Einladung.
Der Autor dieser Zeilen möchte seiner Kritik an der Veranstaltung eine
Bemerkung voranstellen: Er ist gegen die Politik von Ariel Scharon, sehr
wohl aber für das Existenzrecht Israels und gegen jeglichen Antisemitismus.
Nun zur Kritik
der oben genannten Veranstaltung: Es spricht von einer geschichtlichen
Ignoranz gegenüber den Opfern der Shoa, ausgerechnet am 9. November, dem
Jahrestag der Reichskristallnacht, Deutsche dazu aufzufordern, Israel
zu kritisieren. Die Veranstalter haben offensichtlich nicht mitbekommen,
wie wichtig es ist, in Deutschland den Antisemitismus zu bekämpfen. Sieht
man sich seriöse Meinungsumfragen an, dann haben 15% der Erwachsenen in
Deutschland ein geschlossenes antisemitisches Weltbild, weitere 15 % haben
antisemitische Vorurteile. Diese Deutschen im allgemeinen , wie sich aus
der Fragestellung ergibt, sollen also Israel nach Meinung der Veranstalter
kritisieren dürfen.
Besonders
peinlich und erschreckend war die Positionierung eines deutschen Pädagogen
am Podium (Macher der vom Kulturreferat München nicht geförderten Palästina-Ausstellung).
In seinem Statement wollte er sich endlich “in der Zeit der Globalisierung
frei über Israel äußern dürfen und sich nicht von einem Herrn Friedmann
die Meinung diktieren lassen”. Hierzu sei folgendes bemerkt:. Dieser Pädagoge
geht von der Wahnvorstellung aus, als gäbe es in Deutschland eine jüdische
Meinungsdiktatur, die ihn daran hindere, “frei” zu denken. Offensichtlich
hat er keine Probleme mit Meinungen, die “arische Deutsche” vertreten,
es sei denn, er hält Sie für jüdische Agents Provokateurs. Er hat Probleme
mit Herrn Friedmann und er ist offensichtlich nicht in der Lage, sich
mit dessen Rhetorik zu messen, von daher wird Herr Friedmann als “Jude”
kritisiert. Des weiteren sprach der Ausstellungsmacher vor der “Holocaust-Keule”,
von der er sich nicht drangsalieren lassen will. Nebenbei bemerkt kann
der Herr offensichtlich nicht Zeitung lesen, er behauptet nämlich, in
Deutschland gäbe es seit 50 Jahren nur eine pro-israelische Presse. Offensichtlich
hat dieser Volkspädagoge die Nationalzeitung übersehen und nicht mitbekommen,
wie sich in der seriösen bürgerlichen Presse in den letzten Jahren die
Kritik an der Staatspolitik Israels verfestigte. Es ging ihm stark um
Tabubrüche und um eine positive Würdigung der befreienden Rede von Martin
Walser vor 3 Jahren. Zur Staatspolitik Israels, die in der Tat kritikwürdig
ist, fiel dem Herrn außer allgemeinen Phrasen nichts ein. Eine solche
Phrase ist, Israel zu kritisieren, weil es gegen sämtliche UNO-Resolutionen
verstieß. Mit dieser Demagogie wird unterschlagen, daß die Gründung des
Staates Israel von der Mehrheit der UNO beschlossen wurde und daß es in
der Tat einige Resolutionen gab, die zurecht verletzt wurden. z.B. wurde
Israel 1960 im Zusammenhang mit der Festnahme von Adolf Eichmann von der
UNO verurteilt wegen der Verletzung der territorialen Integrität Argentiniens.
Auch 1977 wurde Israel von der UNO kritisiert wegen der Geiselbefreiung
auf dem Flughafen in Entebbe, als die territoriale Hoheit des Schlächters
Idi Amin durch die Befreiung der Geiseln durch israelische Spezialeinheiten
verletzt wurde. Es gibt in der Tat andere UNO-Resolutionen, die Israel
ignorierte und wofür man Israel auch verurteilen kann und muß.
Abstrus wurde
der Referent als er meinte, es würden mehr Schüler nach Dachau gehen um
der Opfer des Naziterrors zu gedenken, wenn man Israel kritisieren würde.
Auf dem Podium befand sich ein in Deutschland lebender Jude, den das anwesende
Publikum, laufend für die Politik Israels zur Verantwortung ziehen wollte.
Dies, obwohl er sagte, er hätte mit der Staatspolitik Israels nichts zu
tun, wäre hierfür nicht verantwortlich, sondern er lebe in Deutschland
und er interessiere sich für das immer noch arisierte jüdische Vermögen
in den Händen deutscher Familien, was laut Gesetz bis zu 80 Jahre nach
dem Raub nicht thematisiert werden dürfe. D.h. laut Gesetz gibt es für
die jüdischen Familienmitglieder 80 Jahre keine Akteneinsicht über geraubtes
Vermögen. Das Publikum interessierte sich am 9. November - dem Jahrestag
der Reichskristallnacht! -für diese Ausführungen nicht im geringsten,
auch dann nicht, als der Referent erwähnte, die faschistische Burschenschaft
Danubia in München habe ihr Hauptquartier in der Möhlstraße, einem ehemaligen
jüdischen Besitz. Die Mehrheit des Publikums lachte nur über diese Dinge.
Ein Vertreter der PFLP, Volksfront für die Befreiung Palästinas, ging
so weit, den Juden zu empfehlen, doch Gebiete wie Dachau und Auschwitz
für sich zu beanspruchen und dort hinzuziehen. Es sekundierte ihn eine
junge Deutsche hinter dem Info-Tisch des palästinensischen Studentenverbandes,
die sich mit der Frage an das Podium wandte, wie viel Geld die Juden denn
noch an Entschädigung haben wollten, um die Palästinenser zu unterdrücken.
Wer darauf hinwies, daß hier eine verdrehte Denkweise vorliege, wie es
einige Diskutanten aus dem Publikum oder auch vom Podium her taten, wurde
von der Mehrheit des Publikums als jüdischer Meinungsdiktator beschimpft.
In der Abschlußrunde
des Podiums bezog sich der unsägliche Pädagoge ausdrücklich auf einen
Juden, der ihm gefällt in Gestalt von Norman Finkelstein, sprich auf dessen
Buch die “Holocaust Industrie”, um zu belegen, daß es auch vernünftige
Juden gäbe. Ob ihm bewußt ist, daß es ein uralter antisemitischer Trick
ist, Juden als Kronzeugen zu verwenden, wagt der Autor zu bezweifeln.
Bereits im Mittelalter gab es bekanntlich Talmud-Ächtungsversuche durch
den katholischen Klerus. Die beliebtesten Kronzeugen, um solche Dinge
wie den Jüdischen “Ritualmord” zu belegen, waren ehemalige Talmudschüler,
die zum Christentum konvertiert waren. Aus dem Publikum heraus wurde mehrmals
beklagt, daß so wenig Juden hier wären, wen wundert’s. Noch dazu war die
Veranstaltung an Eref Schabbat. Zuzustimmen war einem Podiumsdiskussionsteilnehmer,
der bemerkte, in Sachen Israel sei er sich nicht sicher, ob man momentan
links und rechts unterscheiden könne. Das sei ihm spätestens klar geworden,
als 1991 irakische Scud Raketen nach Israel flogen und die Gefahr bestand,
daß sie von Deutschland geliefertes Giftgas enthielten. Viele sogenannte
Linke hatten damals in Deutschland nichts besseres zu tun, als diesen
Fakt zu ignorieren und einfach gegen den Krieg zu demonstrieren unter
der Parole “Kein Blut für Öl”. Durch die Veranstaltung des Palästina-Kommitees
München wird erneut bestätigt, daß es in Deutschland eine erklärte Rechte
gibt und Teile der “Linken”, die unter dem Schlagwort des Antizionismus
von jenen kaum zu unterscheiden sind.
Max Brym
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