Die "rotbraune" Querfront,
ein Fallbeispiel
Antizionismus,
Nationalismus, antikapitalistische Phrasen
In Berlin
wird die Internetzeitung Kalaschnikow erstellt. Nach eigenen Bekunden
hat sie pro Monat zwanzigtausend Leser. Jetzt geht der "Philosophische
Salon" als Träger der genannten Zeitung dazu über, Konferenzen und Tagungen
zu veranstalten. Im Mittelpunkt solcher Tagungen steht die "Solidarität
mit dem palästinensischem Befreiungskampf". Die Zeitung bezeichnet sich
nach außen als linkes Online Projekt. Ob dem wirklich so ist, soll hier
hinterfragt und geklärt werden.
Die Zeitung und ihre Macher
Als Chefredakteur
fungiert der Student Stefan Pribnow. Dieser Pribnow hat den bekannten
APO-Veteranen Bernd Rabehl zum Doktorvater. Rabehl hat seit 1968 eine
offene Wandlung durchgemacht, die vergleichbar ist mit der Wandlung eines
Horst Mahler oder des Neonazis Oberlercher. Vom linksradikalen Straßenkämpfer
zum faschistischen Antisemiten. Allerdings ist die Entwicklung des Professors
Rabehl nicht so offensichtlich.
Erst im Jahr
1999 feuerte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung Rabehl, nachdem
er vor der neonazistischen Burschenschaft Danubia in München einen offen
rassistischen Vortrag hielt. Das Referat wurde über Kalaschnikow schriftlich
zugänglich gemacht. Jede Kritik an Professor Rabehl wird seitdem von der
Kalaschnikow Redaktion abgeschmettert. Die Verteidiger von Rabehl unterstellen
den Kritikern intolerant oder totalitär zu sein.Herr
Rabehl schreibt regelmäßig in Kalaschnikow und unterhält dort eine eigene
Homepage. In Wahrheit gibt er die Linie der Zeitung vor, aber dazu später.
Der stellvertretende
Chefredakteur von Kalaschnikow ist Martin Müller Mertens. Jener Mertens
betreibt noch eine eigene Internetzeitung unter dem Namen www.rbi.aktuell.
Auf diesen Seiten wird oft ein Gerhoch Reissegger abgedruckt. Dieser Mensch
formuliert unsägliche Texte auf den Seiten des "deutschen Kolleg" einer
Internetseite, die im wesentlichen von Horst Mahler und Reinhard Oberlercher
gestaltet wird.
Aktuell begrüßt
Mertens auf seiner RBI-Seite den "Stopp der ungehinderten Zuwanderung
in die BRD" durch das Bundesverfassungsgericht. Auf den Seiten von Kalaschnikow
schreibt er im scheinbar linken Jargon gegen den "US-Imperialismus und
Zionismus". Auf den RBI-Seiten kommt auch der Ex-DKPler Kneffel zu Wort.
Dieser ist ein wichtiger Redakteur von Kalaschnikow.
Neben dem
nazistischen Kampfbund deutscher Sozialisten beziehen sich auch andere
nazistische Internetprodukte mit Links positiv auf Kalaschnikow. Der "Kampfbund
deutscher Sozialisten" bringt das durch freundliche Berichte zum Ausdruck,
andere durch einen Link. Beachtenswert ist die Tatsache, dass das Mahler-Produkt
"deutsches Kolleg" explizit nur einen Link auf eine so genannte linke
Zeitung unterhält, nämlich zu Kalaschnikow. Das kann kein Zufall sein,
dahinter verbirgt sich die nazistische Querfrontstrategie.
Die Querfronttaktik der Nazis
Die Querfrontkonzeption
ist eine alte nazistische Taktik, um Menschen mittels einer antikapitalistischen
Phraseologie von links nach rechts zu ziehen. Gegenwärtig kann beobachtet
werden, wie der nazistische Sumpf fast vollständig das "Linke" im Nazismus
betont. Historisch berufen sich die klügeren Nazis heutzutage auf die
Brüder Strasser und auf Ernst Röhm. Das hat den Vorteil, nicht direkt
mit Hitler und Himmler identifiziert zu werden.
Dennoch wird
die Schoah geleugnet und an der Kriegsschuld des Hitlerfaschismus gezweifelt.
Antisemit ist man unter dem Firmenschild Antizionismus. Zudem kann scheinbar
links agitiert und der Eindruck erweckt werden, als hätte es zu Hitler
eine linke Alternative in der Nazipartei gegeben. Dabei sind die rechten
Theoretiker äußerst geschichtsbewußt was die konkrete Taktik angeht.
Otto Strasser
propagierte im Dezember 1932 eine Revolutionsregierung Schleicher, Gregor
Strasser, Theodor Leipardt, ( ADGB) Richard Scheringer (KPD). Diese Taktik
unterschied sich von der Taktik Hitlers, obwohl sie sämtliche ideologischen
Prämissen Hitlers teilte. Extremer Nationalismus, Antisemitismus, Kampf
gegen den Liberalismus, Materialismus und Marxismus. Der Unterschied zu
Hitler bestand nur in dem Mittel, Querfront und stärkere soziale Demagogie,
nicht aber im Ziel.
Der Strasserismus
erfuhr in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte eine Renaissance. Zuerst
durch Otto Strasser persönlich, der diverseste Zirkel und Gruppen gründete
bevor er 1970 in München verstarb. Im August 1969 schrieb die rechtsextremistische
Zeitschrift "Nation Europa" in einen Aufruf an ihre Leser: "Ihr müßt mehr
von den Linken lernen um mit allen Mitteln die linke Unruhe nach rechts
umzuleiten".
In diesem
Sinne gründeten vielerorts junge Rechtsradikale an Schulen und Hochschulen
Nationalrevolutionäre Basisgruppen. Die damaligen ideologischen Gründerväter
hießen Lothar Penz, Hening Eichberg sowie Wolfgang Strauss.
Im Dezember
1979 wurde dann von Siegfrid Bublies in Koblenz der Bublies-Verlag gegründet,
der bis heute die bedeutendste nationalrevolutionäre Zeitschrift "wir
selbst" herausgibt. Diese orientiert sich ganz offen an der Querfrontkonzeption
der Brüder Strasser. Wichtige Schreiber in "wir-selbst" sind bis heute
Henning Eichberg und auch der bekannte Professor Rabehl.
Der wohl
bekannteste Neonazi der Bundesrepublik, Michael Kühnen, ging während seiner
Haft von 1979 bis 1982 auf eine gewisse Distanz zu Hitler. Er erkor den
ermordeten Stabschef der SA Röhm zu seinem neuen Helden. In seinem Buch
"Die zweite Revolution. Glaube und Kampf" ( Druck 1987 in Lincoln USA)
betonte er die Notwendigkeit einer starken sozialen Demagogie und die
Herstellung einer dauerhaften Verbindung zur Linken "um zur deutschen
Revolution zu gelangen".
Diese Konzeption
ist im bundesdeutschen Neonazismus mehrheitsfähig geworden. Das hat selbstverständlich
in der Realität gravierende Folgen. Die Propaganda der Nazis ist kaum
mehr von vielen linken Parolen zu unterscheiden. Es wird vom Kampf gegen
den Zionismus gesprochen, vom Kampf gegen den globalisierten Kapitalismus
und gegen den "US-Imperialismus" mobil gemacht.
Zudem gibt
es bekannte personelle Überschneidungen in einigen Komitees. Das internationale
Komitee für die Verteidigung von Slobodan Milosevic hat, was seine französische
Sektion angeht, eine komplett nazistische Führungsriege. Geleitet wird
die Sektion von dem Nazi Luc Michel. Eine wichtige Funktion hat in diesem
Komitee der juristische Berater von Milosevic, der französische Rechtsanwalt
Verges. Dieser sorgte in Frankreich in der Vergangenheit für einen juristischen
Skandal, anlässlich der Verteidigung des nazistischen Schlächters Klaus
Barbie, den er mit einer pro-nazistischen Argumentation verteidigte.
Die deutsche
Sektion des Komitees, die von sogenannten "Linken" geleitet wird, stört
sich nicht an ihrer französischen Brudersektion. Auch in Deutschland gibt
es Querverbindungen, des öfteren getarnt, womit wir wieder als Beispiel
bei der Zeitschrift Kalaschnikow gelandet wären.
Querfront und Kalaschnikow
Im Impressum
von Kalaschnikow ist ein Artikel von Stefan Pribnow zu finden, mit dem
Titel "Ein offenes Forum und seine Feinde". Dem Artikel liegt folgender
Vorgang zugrunde: Im Juni 2002 wurde im Forum eine Werbung für das strasseristische
Naziblatt "wir-selbst" abgedruckt. Diese Werbung machte offen Reklame
für das Schriftgut von Keitel, Dönitz sowie der Generäle Guderian und
Kesselring.
Als gegen
diese Nazireklame protestiert wurde, fertigte Pribnow seine Kritiker mit
dem Hinweis auf Karl Popper und dessen offene Gesellschaft ab. Die Antifaschisten,
die die Nazireklame entfernt haben wollten, werden in der bis heute zu
lesenden Hausmitteilung des Herausgebers als intolerant und nicht diskussionsbereit
bezeichnet. Die Naziwerbung wird in dem Artikel gerechtfertigt.
Ende Dezember
2002 rezensierte Pribnow ein Buch über Rudi Dutschke. In diesem Artikel
wird Dutschke (er kann sich nicht mehr wehren) als deutscher Revolutionär
abgefeiert. Angeblich lag Dutschke "das Deutschtum" besonders am Herzen.
Dies liegt ganz auf der Linie der 68-er Rezension wie sie Bernd Rabehl
in einem eigenen Buch für das Kalaschnikow abliefert.
Im Forum
von Kalaschnikow schrieben vor einigen Monaten bekannte Neonazis, wie
ein Herr Rouhs aus Köln, gegen den Zionismus. Der stellvertretende Chefredakteur
von Kalaschnikow Müller-Mertens berichtete auf seiner eigenen Internetseite
nach der Wahlniederlage der PDS von einem Treffen in Gera unter der Parole:
"Vorwärts im Geiste Richard Scheringers". An dieser Zusammenkunft nahmen
Altstalinisten und Nationalrevolutionäre teil.
Auf der Zentralseite
von Kalaschnikow wirbt Müller-Mertens ziemlich offen für das irakische
Regime. Ein besonderer Trick von Kalschnikow besteht darin, den israelischen
"Pseudohistoriker" Elam zum Kampf gegen die "Holocaust-Keule und Holocaust-Industrie"
schreiben zu lassen. Der Kampf gegen den Zionismus durchzieht Kalschnikow
wie ein roter Faden. Der Antisemitismus wird in Deutschland als geringe
Größe speziell durch die Herren Karuscheit und Elken abgehandelt.
Jeder der
diesem in der Vergangenheit (vor der Naziwerbung) widersprach, wurde als
"zionistischer Schwachkopf" bezeichnet. Kein Wunder, dass Kalschnikow
sich in nazistischen und rechten Kreisen einer gewissen Beliebtheit erfreut,
denn es gibt nachweisbare ideologische und personelle Überschneidungen.
Demzufolge ist das Ganze ein Querfrontprodukt.
Max Brym,
Januar 2003
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