Ist Möllemann eine
Skandalfigur ?
Warum
wird nicht Möllemanns Antisemitismus attackiert?
Jürgen Möllemann
soll 840000,- Euro illegal auf ein von Ihm eingerichtetes Wahlkonto befördert
haben. Der Vorgang, einen solchen Betrag zu stückeln um ihn von 14 verschiedenen
Stellen aus auf ein Konto einzuzahlen ist durchaus seltsam. Westerwelle
tönt, er werde Möllemann zwingen, die Spender zu nennen und der FDP-Schatzmeister
droht mit strafrechtlichen Konsequenzen. Die Bildzeitung stellte die Frage:"Kommt
Möllemann ins Gefängnis".
Generell
wird landauf und landab propagiert, bei Möllemann würde es sich um eine
Skandalfigur handeln, der das Handwerk gelegt werden müsse. Die ganze
Debatte geht allerdings am Thema vorbei, denn das, was Möllemann vorgeworfen
wird, "Parteispenden nicht regulär auszuweisen", ist in dieser Republik
ein altbekannter Vorgang. Die Flickaffäre und das "Ehrenwort" von
Altbundeskanzler Kohl, seine Millionenspender nicht zu benennen, belegen
dies.
Das Wort
Skandal bedeutet soviel wie etwas außerhalb der Norm liegendes zu tun.
Was Möllemann getan hat um seine Sponsoren zu tarnen ist in Deutschland
durchaus gängige Praxis. Der Skandal besteht darin, die Normalität des
Bösen als Skandal auszugeben. Demzufolge stellt sich die Frage: Warum
greifen Westerwelle, Gerhard und andere aus der FDP Führung Möllemann
als Skandalfigur an?
Skandalfigur Möllemann
Es ist leicht
den "Rießenstaatsmann Mümmelmann" als profilierungssüchtigen Egozentriker
zu orten. Jeder denkt dabei sofort an seine Fallschirmspringerei in Fußballstadien,
an seine Mediengeilheit, oder um es neudeutsch auszudrücken, an seine
mangelnde Teamfähigkeit. Viele der "Altliberalen" betrachten Möllemann
als "intrigantes Schwein". In der Tat, Möllemann war maßgeblich an
der Demontage Kinkels, Gerhards und anderer beteiligt. Im Wahlkampf trieb
er Westerwelle vor sich her, dabei versuchte er sich als "volkstümelnder"
Kraftprotz auszuweisen. Daß Herr Möllemann mit seinen Machtambitionen
der FDP-Spitze auf die Nerven geht, ist durchaus nachvollziehbar.
Dennoch ist
es entscheidend zu begreifen, was mit dieser Auseinandersetzung verdeckt
werden soll. Der Skandal besteht darin, Möllemann wegen seiner Art und
seiner Finanzpraktiken anzugreifen. Kein Mensch in der FDP-Spitze spricht
davon mit Möllemann wegen seines Antisemitismus abzurechnen. Erst in diesem
Zusammenhang wäre es spannend seine Großsponsoren zu enttarnen.
Warum wird
nicht über den Antisemitismus gesprochen ? Die FDP-Führung deckte bis
zum Wahltermin den offenen Antisemitismus von Jürgen Möllemann. Unvergessen
ist die Rechtfertigung von faschistischen palästinänsischen Selbstmordterroristen
durch Möllemann. Auch legte Möllemann Wert darauf, den Ex-Grünen Karsli
in die FDP in NRW aufzunehmen. Jener Karsli gab bekanntlich der rechtsextremen
,,Jungen Freiheit" ein Interview, in dem er über eine "allmächtige
zionistische Lobby" schwadronierte. Jener "Lobby" unterstellte Karsli
"die Welt zu steuern".
Diese Logik,
die eine "jüdische Weltverschwörung" zum Ausgangspunkt der Welterklärung
nimmt, störte Möllemann nicht im geringsten. Im Gegenteil, er beabsichtigte
damals Karsli als Wahlbeauftragten einzusetzen, um muslemische Wählermassen
in den FDP-Stall zu bekommen. Möllemann selbst griff u.a. Michel Friedman
an, "den er aufgrund seiner Art" für den wachsenden Antisemitismus
verantwortlich machte. Damit bediente Möllemann das antisemitische Klischee,
nachdem "die Juden am Antisemitismus selbst schuld seien".
Keiner in
der FDP-Leitung brachte es damals fertig, Möllemann wegen seiner antisemitischen
Ausfälle zu attackieren. Keiner entschuldigte sich beim Zentralrat der
Juden in Deutschland. Vielmehr sprach Westerwelle von einer "unproduktiven
rückwärtsgewandten Debatte". Das Maximale, was von der FDP Mehrheit eingeräumt
wurde, waren "Ungeschicklichkeiten im Umgang mit einem sensiblen
Thema". Dies blieb so bis zum Wahlabend, die FDP fuhr statt der angestrebten
18%, nur magere 7,4% der Stimmen ein. Sofort gab Westerwelle dem "Faktor
Möllemann" die Schuld am Wahldesaster der FDP.
Benannt wurde
das "israelkritische" Flugblatt, das Möllemann einige Tage vor der
Wahl an jeden Haushalt in NRW verteilen ließ. Wieder, ob gewollt oder
ungewollt, verharmloste die "Guido-Spaßtruppe" die Aktivitäten Möllemanns.
Das Flugblatt Möllemanns war nicht "israelkritisch", denn daß
Kritik an Israel nicht gestattet ist, entspricht einem antisemitischen
Vorurteil. Nein, das teure Faltblatt sprach bewußt eine breite antisemitische
Klientel in Deutschland an. Unter dem Titel "Mut Klartext Möllemann"
wurden Ariel Sharon und Michel Friedman unvorteilhaft unter dem "Heldenfoto"
Möllemanns abgelichtet. Möllemann präsentierte sich in dem Flugblatt als
strahlender deutscher Recke, der standhaft den zionistischen Juden trotzt.
Dies will Westerwelle so nicht benennen und er hat dafür Gründe.
Warum trickst Westerwelle ?
Westerwelle
hat von Möllemann das Projekt 18 übernommen. In der abgelaufenen Debatte
im Frühjahr 2002 deckten er und andere aus der FDP-Riege Möllemann. Zudem
ist ihnen klar, dass die FDP ohne Möllemann noch schlechter abgeschnitten
hätte. Es ist eine Tatsache, von den 450000 für die FDP bei der Bundestagswahl
hinzugekommenen Stimmen, kamen über 200000 aus NRW. Die Kalkulation von
Möllemann mit antisemitischen Methoden auf Stimmenfang zu gehen, ging
teilweise auf. Für Westerwelle stellt sich jetzt die Frage: Wie behalten
wir die antisemitische Wahlbasis und wie werden wir den verhaßten Möllemann
los ? Hierbei bietet sich die Geldwäscherei Möllemanns wie ein Gottesgeschenk
an. Die FDP-Spitze schreit laut Skandal bezüglich dessen was in der Partei
der ,,Besserverdienenden" normal ist. Damit so hofft die FDP-Prominenz
wird der von uns ungeliebte Möllemann abserviert. Zudem ersparen wir uns
eine Diskussion über antisemitische Manöver im Wahlkampf. Schon gar nicht
müssen wir über unsere eigene Rolle im Wahlkampf sprechen. Westerwelle
spekuliert darauf mit der Skandalgeschichte Möllemann los zu werden. Die
rechte Wählerschaft die Möllemann gebracht hat, will er stillschweigend
behalten.
Max Brym,
Oktober 2002
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