Warum bestimmte Deutsche den Juden Auschwitz nicht verzeihen können
Ein Wiener Kabarettist jüdischer Abstammung erzählte nach seiner Rückkehr aus der Emigration ins 'geliebte' Österreich 1947 folgende Geschichte: "Das fatalste, was uns dieser Hitler angetan hat ist, daß er uns den ganzen alten schönen Antisemitismus kaputt gemacht hat." Das beichtete dem Kabarettisten ein Bekannter aus früheren Jahren. In der Tat, seit der Shoa ist der gepisackte deutsche Antisemit damit beschäftigt, zu jammern und zu klagen. Nicht einmal der Antisemitismus eines Richard Wagner oder die antijudaistischen Thesen eines Martin Luther wahren längere Zeit salonfähig. Doch spätestens seit dem Fassbinder Stück 1983 "Der Müll, die Stadt und der Tod" geht ein Ruck durch die antisemitischen Glieder. Es ist wieder erlaubt in Deutschland, öffentlich zu bedauern, daß ein Jude die Shoa überlebte. So geschehen in dem Stück von Fassbinder, gemeint war damals der Jude Ignatz Bubis. Welch eine befreiende Tat für das antisemitische Gemüt. Dennoch gab es auch in den Jahren von 1983 bis heute Juden in Deutschland und anderswo sowie 'ihre Agenten', die sich dem 'Freiheitsdrang' der deutschen Kleinbürgerseele widersetzen. Grausam kann man da nur sagen und um so verständlicher, daß der Literat Martin Walser in seinem Buch 'Tod eines Kritikers' einem bekannten Kritiker, auf dessen jüdische Abstammung ausdrücklich hingewiesen wird, mit folgenden Worten den Tod wünscht: "Nimm dich in acht Andre Ehrl König, ab null Uhr wird zurückgeschlagen.” Der Verlag setzte innerhalb von drei Tagen die Erstauflage des Buches ab. In München und sicher nicht nur dort, konnte beobachtet werden, wie an den Verkaufsständen die 'deutsche Menschentraube' geduldig stand, um endlich in den Genuss einer literarisch antisemitischen Tötungsphantasie zu gelangen. Jedoch hat der scheinbar immer noch gedemütigte deutsche Antisemit noch Grund zur Klage, denn wie wurde doch dem armen Herrn Karsli und dem Möllemann zugesetzt wegen ihrer antisemitischen Tabubrüche. Dabei hat der Möllemann doch nur gesagt, das der Friedmann den Antisemitismus durch seine Art fördere. Der Jud ist doch selber schuld am Antisemitismus, diese Botschaft von Möllemann ist doch wahr, denkt der Antisemit. Aber leider gibt es nach Karsli eine 'mächtige zionistische Lobby' die den Jürgen peinigt. Nun sei es drum, den Zionisten werden wir es schon zeigen beim Wählen in der Kabine. Im übrigen hat der rechtslastige Antisemit mit dem Begriff Zionismus ein Wort gefunden, das es ihm ermöglicht, seinen Antisemitismus unter dieser Begrifflichkeit zu verstecken. "Wir sind nämlich nach Auschwitz ganz schön raffiniert geworden, um uns die jüdischen Zionisten vom Leib zu halten." Zudem gibt es Linke, die den Rechten unter dem Banner des Kampfes gegen den Zionismus sekundieren. Dabei lassen Sie sich auch von einem Herrn Brym nicht verwirren (der doch nur ein zionistischen Agent ist).
Die gespenstischen
Tricksereien von Schröder und Holberg
Dieser Brym erlaubt sich doch die Frechheit, in Kalaschnikow etwas zur Entstehung des Zionismus zu schreiben und auf seine historische Wurzeln hinzuweisen: Er versteht den Zionismus in seiner Entstehung als Reaktion auf den europäischen Antisemitismus und leitet eine gewisse Legitimierung des Zionismus vom Versagen der Arbeiterbewegung im Kampf gegen den Faschismus ab. Des weiteren bildet sich Brym ein, die unterschiedlichen zionistischen Strömungen zu kennen, demzufolge hat er sie auch unterteilt und aufgegliedert. Diese Methode brachte den selbster-klärten "Marxisten" Holberg auf die Palme und er wühlte in Sekundärliteratur um dem Zionismus eine unmittelbare Verwandtschaft mit dem Judenmörder Eichmann zu bescheinigen. Ergo nach Holberg sind die Zionisten wenn man die Quintessenz seiner langatmigen Ausführungen nimmt, nichts wesentlich anderes, als die Nazis. Dazu erfindet er eine Zusammenarbeit zwischen Ben Gurion und den Hitlerfaschisten. Fakt ist jedoch: In den 30-er Jahren wurde die zionistische Weltvereinigung dazu gezwungen, um jüdische Menschen zu retten, mit den Nazis ein wirtschaftliches Abkommen zu schließen. Dadurch rettete die zionistische Vereinigung knapp 80000 deutschen Juden das Leben, indem jene nach Palästina einwanderten. An diesem Abkommen, das keinesfalls zu verurteilen ist, war Ben Gurion nicht beteiligt, nichts desto trotz unterstellt Holberg Ben Gurion eine Kollaboration mit den deutschen Faschisten. Das Ganze ist von Holberg frei erfunden, um seinen undifferenzierten Antizionismus anzubieten. Ansonsten, wenn Holberg aus zionistischen Schriften zitiert, zitiert er nicht aus Originalquellen sondern nach Sekundärliteratur. Um dies klar zu machen: M-R-R sagte einmal über Kafka: "Sein ganzes Werk paßt in eine größere Schuhschachtel, es ist allerdings möglich mehrere Bibliotheken mit Literatur über Franz Kafka aufzufüllen." Ranicki empfahl dem literarischen Publikum Kafka im Original zu lesen und erst dann auf Sekundärliteratur zurückzugreifen. Die gleiche Empfehlung kann man auch Holberg machen, der aus einem Tagebuch Theodor Herzls (Sekundärquelle Erich Fried) zitiert, um mit einer rassistischen Passage aufwarten zu können. Vermutlich dürfte Holberg die Gestalt David Littwak unbekannt sein. Um seiner Unkenntnis abzuhelfen, sei darauf verwiesen, dieser Littwak ist die Zentralgestalt in Herzls programmatischen Roman "Alt-Neuland" (hebräisch - Tel Aviv), der sich gegen den fanatischen jüdischen Nationalisten Dr. Gayer in dem Roman durchsetzt. Herzl wurde 1903 aufgrund dieses programmatischen Romans, den Holberg nie gelesen haben dürfte, vorgeworfen, er wäre zu tolerant und würde die "jüdischen Identität zu stark mit der europäischen Aufklärung der Toleranz und der Multinationalität verbinden".Im heutigen Israel läuft eine spannende Debatte warum sich entgegen der Hoffnungen von Theodor Herzl sehr stark die Person Dr. Gayer etabliert hat. Diese Diskussion ist Holberg mit Sicherheit unbekannt, aber das macht ja nichts bei Leuten, die für sich in Anspruch nehmen "Marxisten" zu sein, ohne die marxsche Erkenntnisgewinnung drauf zu haben. Der Partner von Marx, Friedrich Engels konnte nur deswegen seinen hervorragenden "Anti-Dühring" schreiben, weil er Dühring im Original las. Engels las bezüglich Dühring so gut wie keine Sekundärliteratur, denn hätte er Dühring aufgrund von Sekundärliteratur kritisiert, wäre es vermutlich blödsinnig geworden. Es trügt einem kaum das Gefühl, daß es Holberg weniger um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Zionismus geht, sondern darum, dem Staat Israel in der heutigen Realität die Existenzberechtigung abzusprechen. Nachdem er dies weltweit nur bezüglich des Staates Israel tut, muß er sich fragen lassen: Warum nur die Juden kein Recht auf einen eigenen Staat haben sollen. Ich gehe zugunsten von Holberg davon aus, daß die naheliegende Schlußfolgerung, er betreibe dies aus antisemitischen Gründen, nicht zutrifft. Vielmehr sitzt er in einer "orthodox-pseudo-marxistischen-Falle" die ihm verunmöglicht, die objektive Rolle seiner Position zu begreifen.Nun aber genug Holberg, jetzt wendet sich der "Halbjude" Max Brym der härteren Nuß Schröder zu.
Alfred
Schröders Gespenster und Theoretisiererei Schröder behauptet, daß es sich bezüglich des Antisemitismus in Deutschland um ein Gespenst handelt. Ein Blick in Veröffentlichungen des Innenministeriums aus dem Jahr 2000 belegen das Gegenteil. Bezogen auf antisemitische Delikte wird von einer Steigerung um 60% gegenüber dem Jahr 1999 ausgegangen. Diesen Fakt will Schröder einfach ignorieren, ich gehe davon aus, daß er dies bewußt tut. Denn er unterstellt dem Autor dieser Zeilen, daß er die Kritik an Israel verhindern will. Er wagt die Behauptung, daß meine Ausführungen über die Gefährlichkeit eines Hau-drauf-Antizionismuses ganz der Linie des israelischen Außenministeriums entsprechen würden. Indem er den Antisemitismus zu einem vergangenen Relikt erklärt, befindet er sich in einem Boot mit Martin Walser, der von der "Moralkeule Auschwitz" nichts mehr hören will. Schröder möchte die USA und Israel und danach die deutsche Politik "frei" kritisieren dürfen. Irgendwie teilt er doch den Wahn, nachdem "Juden die Freiheit des deutschen Wortes unterdrücken würden". Seine Ausführungen über den Kampf der arabischen Völker und der europäischen Völker zeigen deutlich ein Abgehen von der Einteilung der jeweiligen Gesellschaften in Klassen. Schröder will die Völker "Eurasiens" gegen die amerikanisch-zionistische Lobby vereinigen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es ihm nicht zu dumm, dem Brym Sympathien für die gegenwärtige israelischen Regierung oder gar die Siedlungspolitik zu unterstellen. Dabei unterliegt er der Vorstellung, "daß es in Deutschland verboten sei" den Staat Israel zu kritisieren. Dieser Unsinn verbindet ihn, auch wenn es hart klingen mag, mit den Antisemiten, die laufend den Eindruck erwecken: "In Deutschland habe man nur noch ein entscheidendes Problem, nämlich die Freiheit des Wortes gegen die jüdische Mafia zu erkämpfen." Offensichtlich hat sich Schröder verrannt, wie weit ihm das bewußt ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Schade daß Dr. Freud nicht mehr lebt.
Max Brym, Juli 2002 |