Lafontaine
vergleicht Schröder
mit Heinrich Brüning
Ist
diese Analogie gerechtfertigt ?
Was verbindet
Schröder mit Heinrich Brüning ?
Groß war
die Empörung innerhalb der SPD , als Oskar Lafontaine kürzlich in der
Presse, Gerhard Schröder mit dem Reichskanzler Brüning verglich. Empört
verlangte die Kanzlergattin: "Halts Maul Oskar". Einige andere Sozialdemokraten
forderten, den Herrn Lafontaine umgehend auf, die SPD zu verlassen. Die
Kommentatoren in der bürgerlichen Presse, schrieben von einem aberwitzigen
Vergleich, da Gerhard Schröder nicht mit präsidalen Notverordnungen "den
notwendigen Umbau des Sozialstaates" betreibe.
Gemeinsam
war den ganzen Leuten, dass Sie grundsätzlich ignorierten was Lafontaine
tatsächlich schrieb. Offensichtlich ist in den Gazetten des Bürgertums
nicht nur Ignoranz gegeben, sondern auch eine starke Enttäuschung über
den einstigen sozialdemokratischen Liebling des Unternehmerverbandes.
In den neunziger Jahren galt Lafontaine als "Modernisierer" der Flächentarifverträge
in Frage stellte, oder Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich propagierte.
Unverständlich ist dem Bürgertum seine jetzige Wandlung vom Saulus zum
Paulus.
Ob es sich
wirklich so verhält, ist eine andere Frage, Dennoch ist sein Brüning-Schröder
Vergleich gut getroffen. Wobei natürlich ein Vergleich, wie jede Analogie,
nie die Wirklichkeit exakt zu erfassen vermag.
Heinrich Brüning
...wurde
im März 1930 deutscher Reichskanzler. Er betrieb nach dem Ausbruch der
Weltwirtschaftskrise 1929 einen rigorosen Sparkurs.Brüning setzte den
Kurs der DVP der damaligen exklusiven Partei des Großkapitals als Zentrumskanzler
um. Er versuchte die Arbeitslosenversicherung als Systemfehler zu beseitigen,
den Rechtsanspruch auf Arbeitslosenunterstützung aufzuheben und die Bedürftigkeitsprüfung
wieder einzuführen.
In seiner
Regierungserklärung am 1.4.1930 erklärte Brüning: "Ohne eine schnelle
Ordnung der Kassen und Finanzlage fehlt die Gewähr für die dringend notwendige
Entlastung der Wirtschaft" .Desweiteren führte Brüning aus:" Eingehende
Sparvorschläge auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens werden in kürzester
Frist seitens der Reichsregierung den zuständigen Körperschaften unterbreitet
werden". Diese sogenannte Deflationspolitik zu lasten der Armen und der
Arbeiterschaft betrieb Brüning immer schärfer bis zu seiner Entlassung
im Mai 1932.
Wenn einen
Augenblick vergessen wird, von wem die oben angeführten Sätze stammen,
könnte es sich problemlos, um Schröder oder Eichel handeln. Nur heutzutage
wird das Ganze moderner ausgedrückt. Es nennt sich: Flexibilisierung,
Entbürokratisierung oder Deregulierung. Dazu kommt dann noch ein VW-Manager
auf den sich die Regierung beruft, eine Hartz-Kommission. Jene setzte
die Zeitarbeit um, damit folgendes erreicht wird: "Durch die PSA haben
Unternehmen die Möglichkeit, neue Arbeitnehmer ohne arbeitsrechtliche
Verpflichtungen kennen zu lernen".
Die Gewerkschaften
akzeptierten die Leiharbeit deren gesetzliches Verbot Sie noch vor Jahren
forderten. Zusätzlich wurden niedrige Einstiegslöhne für Langzeitarbeitslose
geschluckt. Der Brüningverschnitt Schröder freut und wundert sich, denn
genau wie bei seinem Amtskollegen Brüning fordert die Industrie immer
mehr um die Profitrate zu halten und zu steigern.
Was schrieb Oskar Lafontaine?
Oskar Lafontaine
drückte sich in Wahrheit sehr vorsichtig aus, im Rahmen seiner historischen
Anspielung. Er schrieb über Heinrich Brüning: "jener Reichskanzler, der
mit seiner Sparpolitik Massenarbeitslosigkeit verursachte und Hitler den
Weg bereitete". Lafontaine hat recht-nämlich dort worin er Eichel und
Schröder mit Brüning vergleicht. Er behauptet nicht die SPD-Grüne Regierung
regiere mit Notverordnungen und einem Präsidalsystem. Weiter argumentierte
Lafontaine: "Dass mit den Kürzungen im Sozialbereich um den Haushalt ala
Brüning auszugleichen die Depression verschärft werde und die Arbeitslosigkeit
steige".
Das letzte trifft absolut zu.
Was Tatsächlich
an dem Lafontaine-Vergleich hinkt, ist die Aussage, daß die Frage,
ob es Arbeitslosigkeit gibt oder nicht gibt, keine Frage ist wer zufällig
regiert. Die Arbeitslosigkeit gehört zu diesem Wirtschaftssystem wie die
Butter zum Brot. Dennoch muß und kann von einer Regierung in einer Wirtschaftskrise
gefordert werden, alles zu unterlassen was die Kapitalverwertungskrise
nach unten abwälzt. Das Verdienst von Oskar Lafontaine ist, mit seinem
Vergleich diesen Gedanken nahezulegen.
Was von Lafontaine nicht erwartet werden kann
Lafontaine
will noch einen Hauch Sozialdemokratie in diesem Land belassen. Das ist
alles. Er kann ein Partner sein, um einzelne soziale Grausamkeiten zu
bekämpfen. Grundsätzlich wird er sich aber nicht mit den Großindustriellen
anlegen. Aber gerade das ist gefordert um zu einem besseren Leben zu gelangen.
Zwischen den Jahren 1991 und 2000 ging die Zahl der ArbeiterInnen in der
Industrie von 4,9 Millionen auf 3,6 Millionen zurück. Gleichzeitig stieg
die Produktivität in diesem Zeitraum um über 70%. Man braucht also immer
weniger ArbeiterInnen um immer mehr herzustellen.
Dazu schrieb
Friedrich Engels: "Die ungeheure Steigerung der Produktivkräfte erlaubt,
die Arbeitszeit eines jeden so zu beschränken, dass für alle hinreichend
freie Zeit bleibt, um sich an den allgemeinen Angelegenheiten der Gesellschaft,
theoretischen wie praktischen zu beteiligen". Um das durchzusetzen bedarf
es eines radikalen Kampfes um Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
Zudem gilt es das Recht auf Faulheit und Freizeit gegen den herrschenden
Arbeitsethos zu stellen.
Finanzierbar
ist das allemal, denn das Geldvermögen der Deutschen lag Ende 1999 bei
6,7 Billionen DM. Rechnerisch müßte jeder Privathaushalt 180000 DM oder
90000 Euro haben. Dem ist aber nicht so, sondern das Vermögen konzentriert
sich in immer weniger Händen. Brüning ist von Schröder angesagt, demzufolge
schlechteres Leben auch in politischer Hinsicht . Das zu Erkennen vermag
durchaus ein Oskar Lafontaine, dagegen konsequent zu kämpfen müssen wir
selber bewerkstelligen.
Max Brym
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