Weshalb attackiert
die deutsche Elite
die US-Regierungspolitik?
Nach der
Wiederwahl der rot-grünen Regierung gab es kein Glückwunschtelegramm aus
den USA an den deutschen Bundeskanzler. Auf einer Tagung der NATO-Verteidigungsminister
in Warschau weigerte sich der US-Amerikaner Rumsfeld seinen deutschen
Amtskollegen Peter Struck zu treffen. Das gut gemeinte Angebot des NATO-Generalsekretärs
zwischen Washington und Berlin zu vermitteln, lehnte Struck bei der Tagung
im Einvernehmen mit seinem Kanzler ab. Er sagte: "Wir brauchen keinen
Türöffner."
Die deutsch-amerikanischen
Beziehungen haben einen nie gekannten Tiefpunkt erreicht. Fischer erklärte
in der Frankfurter Rundschau bezüglich der US-amerikanischen Politik in
der Golfregion, er lehne alles ab, was "zu einer regionalen Instabilität
führe, jede Aktion von außen (gemeint ist der Militärschlag gegen den
Irak), die mit den Verdacht des Neokolonialismus behaftet wäre." Diese
Diktion Fischers erinnert fast an den Joschkar von vor 30 Jahren, der
mit Straßenkämpferoutfit mit der Polizei herumrangelte um gegen den US-Imperialismus
zu protestieren.
Heute steckt
Fischer im feinen Zwirn, begleitet von polizeilichen Bodyguards und betreibt
eine Politik, die Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik
auf den Punkt brachte, jener schrieb in dem Band "Deutsche Nahostpolitik
- Interessen und Optionen" folgendes: " Deutschland sei ein geographischer
Nachbar der Region, folglich sicherheitspolitisch zumindest mittelbar
betroffen, besitze aber eher ökonomische als militärische Einflußmöglichkeiten,
es habe wirtschaftliches und politisches Interesse an einer weitgehenden
Einbindung des nahen Ostens in das Einflußgebiet der EU".
Es darf niemand
verwundern, wenn Gerhard Schröder ungefragt im Wahlkampf eine deutsche
Kriegsbeteiligung gegen den Irak ablehnte. Schröder tat so als ob "deutsches
Soldatenblut" im bevorstehenden Krieg gegen den Irak von den USA konkret
angefordert wäre. Das ist jedoch eine glatte Lüge, nirgendwo gibt es die
Absicht der US-Regierung am kommenden Feldzug die deutsch Armee größer
miteinzubeziehen. Die US-Regierung weiß genau über den ziemlich maroden
Zustand der Bundeswehr im Vergleich zur US-Militärmaschinerie Bescheid.
Zudem verfolgt die US-Regierung eine knallharte Interessenspolitik, die
Deutschland aus dem Geschehen bewußt heraushalten möchte.
Der deutsch-amerikanische Gegensatz
Gegenwärtig
bezieht die BRD die Hauptmasse ihres Öls aus Rußland und die deutsch-russische
Conection betreibt eine andere Irakpolitik als die US-Administration.
Kürzlich schloß die irakische und die russische Regierung ein wirtschaftliches
Optionsabkommen bezogen auf die nächsten 10 Jahre in der Größenordnung
von 40 Mrd. Dollar. Für die Machbarkeit der Ausbeutung der irakischen
Ölfelder ist die Aufhebung des UN-Embargos gegen den Irak zwingend erforderlich.
Auch die
immer noch mit Eigentumstitel versehene französische Ölindustrie und die
deutschen Geschäftspartner des Irak stehen dem Embargo kritisch gegenüber,
ein Krieg wird abgelehnt. Die deutsche bürgerliche Presse argumentiert
schon fast "marxistisch", was die geplante US-Intervention gegen den Irak
angeht. So schrieb die Süddeutsche Zeitung am 4. Oktober 2002: "Nach einem
Krieg gegen den Irak und der Entmachtung von Saddam Hussein bekämen die
US-Ölfirmen wieder Zugriff auf die zweitgrößten Ölreserven der Welt."
Weiter heißt es in dem Artikel: "Für die amerikanischen Ölmultis ergebe
sich ein riesiges Geschäftsfeld - die europäische Konkurrenz hätte das
Nachsehen."
Diese Analyse
ist vollständig richtig. Die bürgerliche Presse einschließlich der deutschen
politischen Elite attackiert die US-Interessen, wobei sie ihre eigenen
Interessen, die nicht weniger ordinär sind, dezent verschweigen. Die EU-Länder
sind die wichtigsten Handelspartner aller Staaten in Nahost. Das die USA
den Irak, das Land mit den drittgrößten Ölvorräten weltweit unter ihre
direkte Kontrolle bekommen, ist für Europa im Allgemeinen und Deutschland
im Besonderen inakzeptabel. Denn über Handelszwiste im Rahmen einer krisengeschüttelten
Weltökonomie, um genmanipulierte Futtermittel, Bananen oder Stahl bis
zum internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verschärft sich besonders
der deutsch-amerikanischen Gegensatz.
Deshalb sprechen
Fischer und Schröder von der Notwendigkeit den Status Quo zu erhalten,
Regime und Grenzen zu belassen. Völlig egal ist ihnen der barbarische
Herrschaftszustand im Irak, sie ignorieren die Zahlungen Saudi Arabiens
an palästinensische Terroristen, womit sich letztere brüsteten. Das Eingeständnis
der Saudis, die Hamas zu unterstützen führte in den USA zu einer Zunahme
der Spannungen mit dem real existierendem saudischen Königshaus.
Der US-Schlag
gegen den Irak hat zwei grundsätzliche Ziele: 1. Es geht darum, sich vom
ungeliebten in den internationalen Terrorismus verwickelten saudischen
Königshaus zu lösen und mit der Kontrolle über ein neues irakischen Regime
wieder direkteren Einfluß auf den Ölreichtum in der Region zu erhalten.
2. Das Ganze ist als Schlag gedacht, gegen die Gefahr eines eurasischen
Wirtschaftsblockes. Darunter ist zu verstehen, ein deutsch dominiertes
hoch technologisiertes Europa mit einem russisch-arabischen Rohstoffrumpf.
Die Gefährlichkeit der deutschen Friedenspolitik
Auf der Meinungsseite
der New York Times beschrieb der Kolumnist William Safire, wie der ehemalige
Minister Rudolf Scharping, bei einem elitären Treff in Hamburg, das "amerikanische
Judentum" für den geplanten Angriff auf den Irak verantwortlich machte.
Nach diesem Auftritt Scharpings in einer Hamburger Runde suchte man in
der deutschen Presse größtenteils vergeblich. In der Tat, Deutschland
unterhält engste Beziehungen mit Libyen (drittwichtigster Öllieferant)
sowie Syrien als viertwichtigstem Schmierstofflieferanten.
Die Berichterstattung
über den Konflikt in Israel-Palästina ist zunehmend parteiisch zugunsten
der Palästinenser ausgerichtet. Faschistoide Selbstmordattentate in Israel,
die Saddam Hussein finanziell unterstützt, (25.000 Dollar für die Familie
eines Selbstmordattentäters) werden erklärt und mit Verständnis analysiert.
Andere wie Möllemann und bestimmte deutsche "Linke"rechtfertigen direkt,
diese barbarischen Aktionen. Dahinter verbirgt sich eine grundsätzliche
Orientierung auf feudal-reaktionäre arabische Regime, faschistische Systeme
wie das Baath-System im Irak sowie die faschistoide palästinensische politische
Struktur. Der Grund für die Orientierung ist der schärfer werdende deutsch-amerikanische
Gegensatz.
Die deutsche
Friedenspolitik ist also abzulehnen, sie enthält nichts fortschrittliches
und sie ist genauso Interessensbezogen wie die US-amerikanische "Kriegspolitik".
Der Leidtragende an dem ganzen Szenario ist Israel, denn bei einem US-Militärschlag
gegen den Irak besteht die Gefahr einer größeren militärischen Attacke
auf israelisches Territorium. Die Weiterführung der deutschen "Friedenspolitik"
beinhaltet, eine Ermunterung für den immer eliminatorischer werdenden
Antisemitismus faschistoider islamischer oder weltlicher arabischer Gruppen.
Resümee
In Deutschland
hat linke Politik nach dem Prinzip zu verfahre: "Der Hauptfeind steht
im eigenen Land", was bedeutet, gegen jede Art von deutscher Weltmachtpolitik
anzugehen. Dies gilt auch, wenn diese Politik scheinbar friedlich daherkommt.
Im Bedarfsfall wechselt die deutsche Außenpolitik zwischen dem Einsatz
militärischer Mittel und "friedlicher Machtpolitik". Beides ist gemeingefährlich
und abzulehnen.
Max Brym,
Oktober 2002
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