Wildmoser in Stadelheim
Vereinsboß verhaftet
Am Dienstag den 9. März wurden der Präsident des TSV 1860 München, Karl Heinz Wildmoser, sein Sohn und zwei Mitarbeiter des „Entenmörders“ (Wildmoser ist Großgastronom) festgenommen. Dazu fand in München eine gemeinsame Pressekonferenz des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft München I statt. Gegen Wildmoser sen. wurde der Haftbefehl vollzogen, der ziemlich übergewichtige „Fußballexperte“ wurde in die Haftanstalt Stadelheim überstellt. Die drei anderen, die sich nach den Worten des Staatsanwaltes Sommerfeld kooperativer zeigen, befinden sich in Polizeigewahrsam.
Der Fall Wildmoser
Die Staatsanwaltschaft München I führt seit Ende des vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe der sog. Allianz-Arena ((neues Fußballstadion in München Fröttmaning) durch. Ermittelt wurde gegen Karl Heinz Wildmoser sen. Präsident des TSV 1860 München, Karl Heinz Wildmoser jun. Geschäftsführer der Bauherrin „Allianz Arena München Stadion GmbH“, sowie mindestens vier weitere Tatbeteiligte aus dem persönlichen und geschäftlichen Umfeld der Vorgenannten.
Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben auch die Tatbeteiligung von Mitarbeitern der „Unternehmensgruppe ALPINE“. Es besteht der Verdacht, dass die Wildmosers für verdeckte Zahlungen von Schmiergeldern durch die ALPINE Unternehmensgruppe“ in Höhe von über 2,8 Millionen Euro, diese bei der Vergabe des Bauauftrages bevorzugt haben. Dadurch ist vermutlich die Ausschreibung für den Bau des Stadions ein Witz gewesen und die Firma „ALPINE“ hat den Zuschlag zu einem Preis außerhalb der normalen Konkurrenz erhalten. Insgesamt soll das neue Stadion in München 280 Millionen Euro kosten. Wildmoser sen. und Wildmoser jun. haben demzufolge 1% des Auftragsvolumens erhalten. Ein Schulfreund von Wildmoser jun., mit eigener Firma in München und eine Immobilienfirma der Wildmosers in Dresden haben offensichtlich den Deal finanztechnisch verbucht.
Die Staatsanwaltschaft ließ insgesamt 30 Objekte im Bundesgebiet und in Österreich sowie in der Schweiz durchsuchen. Darunter auch die Geschäftsstelle des FC- Bayern München, denn die „Allianz Arena München GmbH“ wird mit jeweils 50% von den beiden Vereinen betrieben. Staatsanwalt Sommerfeld sagte auf der Pressekonferenz: „Dass es keinen Verdacht gegen jemanden vom FC Bayern gibt.“ Auf die Frage „warum auch der FC Bayern die Firma „ALPINE“ bevorzugt habe“ erklärte Sommerfeld: „ Dass weiß ich nicht, aber das Ergebnis der Ermittlungen mit fast 200 beschlagnahmten Aktenordnern ist offen“. Ob dem so ist muß abgewartet werden. Einige Widersprüche zeigten sich bereits auf der Pressekonferenz.
Kein Baustopp
Der Herr Staatsanwalt versuchte die Journalisten zu beruhigen. Nach seinen Worten werde es keinen Baustopp für das Stadion geben. Er meinte damit, dass die WM 2006 in München nicht gefährdet sei. Aber genau um den Baustopp muß es gehen, denn wenn die Firma „ALPINE“ außerhalb der bürgerlichen Rechtsnorm den Zuschlag für das Stadion erhalten hat, dann kann sie nach den einfachen Regeln der bürgerlichen Demokratie keinesfalls den Auftrag behalten. Ein Baustopp ist die notwendige Konsequenz.
Vor dieser Konsequenz wird das bürgerliche Establishment zurückschrecken. Von Bürgermeister Ude wird dieser konsequente Demokratismus nicht zu erwarten sein. War er doch einer der Einpeitscher für ein neues Stadion. Viele werden ihre Hände in Unschuld waschen und dem privaten Profitinteresse der Firma „ALPINE“ entgegenkommen. König Fußball hat halt Priorität und moralisch ist man aus dem Schneider, wenn dem tatsächlich widerwärtigen Wildmoser eine mitgegeben wird.
Konsequenzen für die Löwen
Dass der selbstherrliche Präsident im Knast hockt kann Anhänger von 1860 nur freuen. Der „barocke“ rechtskonservative Wildmoser ignorierte seit Jahren die Demokratie im Verein. Wildmoser fuhr wegen dem neuen Stadion (jetzt weiß man warum) einen drastischen Sparkurs. In dieser Saison spielt 1860 grottenschlechten Fußball, da Kreativität (Häßler, Borimirow) und Torgefahr (Martin Max) verkauft wurden. Wildmoser trieb den Verein in die Arme des FC Bayern (gemeinsames Stadionprojekt), die Wünsche der Fans waren ihm egal. Wildmoser ließ in einer Friedhofatmosphäre (Olympiastadion) spielen, statt im heimischen Grünwalder Stadion.
Jetzt sitzt Wildmoser, sein Charakter ist offensichtlich, daraus gilt es Schlüsse für den „Arbeiterclub“ 1860 zu ziehen. Der Verein gehört den Mitgliedern und nicht einer korrupten Clique. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung muß der Fall Wildmoser aufgearbeitet und der Verein entsprechend demokratisiert werden. Zwecks Identität, Demokratie und sportlichem Erfolg muß ab sofort wieder im Grünwalder Stadion gespielt werden. Es müssen alle Möglichkeiten geprüft werden, um aus dem Stadionprojekt „Allianz Arena“ auszusteigen. Neben den horrenden Kosten für die „Allianz Arena“ will kein richtiger sechziger Fan mit dem FC Bayern an Gemeinsamkeiten basteln.
Max Brym
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