Stadion Skandal
Wildmoser aus der Haft entlassen


Karl Heinz Wildmoser ist nach drei Tagen Haft aus der JVA Stadelheim gegen eine Kaution von 200000 Euro entlassen worden. Nach den Worten von Staatsanwalt Schmidt-Sommerfeld gilt der Löwen Präsident Wildmoser weiterhin als Beschuldigter. Der Hauptbeschuldigte ist (Baby Doc) "Heinzi" Wildmoser junior. Bekanntlich sollen die Wildmosers über einen Strohmann (Schulfreund von Wildmoser junior) Geld von der Firma Alpine erhalten haben. Der Betrag von 2,8 Millionen entspricht einem Prozent der Kosten für die „Allianz“ Fußballarena in München Fröttmaning.

Wilmoser junior war zusammen mit Prof. Fritz Scherer vom FC Bayern Geschäftsführer der Gesellschaft, die das Stadion gemeinsam baut. Gegen die Wildmosers besteht der Verdacht, besonders gegen „Heinzi“, den jetzigen Auftragnehmer Alpine durch interne Informationen begünstigt zu haben. Es besteht die Möglichkeit, dass durch das akzeptierte Angebot der Alpine (Kostenfaktor 280 Millionen Euro) beide Vereine finanziell schwer geschädigt wurden. Gegen die Wildmosers wird wegen Untreue (Heinzi) und Bestechlichkeit (Wildmoser senior) ermittelt.


Eine Schmierenkomödie

Wenn einem Krimiautoren dieser Stoff mit einem barocken bayrischen Vereinspräsidenten als Hauptperson eingefallen wäre, hätte man ihn für überdreht gehalten. Dazu noch ein vierzigjähriger Sohn der in Haft erklärte: „Der Papa hat nix gwußt“. Weiterhin ein Schulfreund als Strohmann, ein österreichischer Bauriese, ein marodes Dresdner Immobilienimperium, (Wildmoser betreibt in Dresden mehrere Immobiliengesellschaften). Diese Handlung hätte dem Autor den Vorwurf eingebracht, einen Phantasie-Roman geschrieben zu haben.

Das Leben schreibt aber bekanntlich die besten Geschichten, das Leben stellt oftmals die Einbildungskraft vieler Schriftsteller in den Schatten. Die Wildmosers, speziell Wildmoser senior steht für das, was man in Bayern Bauernschläue in Verbindung mit „Spezelwirtschaft“ nennt. Der Emporkömmling Wildmoser versuchte einst beim FC-Bayern sein Glück. Aber der gelernte Metzger und Großgastronom war der elitären FC-Bayern Schickeria nicht vornehm genug.

So verfiel er dem Gedanken, seine Profilneurose dem TSV 1860 anzudienen. Im Verein errichtete Wildmoser ein feudales Patriarchen-System. Opposition war nicht geduldet, die Fans wurden verprellt und ignoriert. Wildmoser machte aus den Löwen eine FC-Bayern Light Version. Das Grünwalder Stadion wurde aufgegeben und die Löwen mußten in der Leichenhalle Olympiastadion spielen.

Mit den Bayern soll ein gemeinsames Stadion gebaut werden und der Mannschaft wurde ein radikales Sparprogramm verordnet, mit der Folge, dass 1860 jetzt mitten im Abstiegskampf steht. Statt auf fachliche und sportliche Kompetenz zu setzen, wurde im Verein ein Kult gegenüber dem Gastronomen entwickelt. Die beiden Vizepräsidenten (ohne den Namen Wildmoser) kennen nur Insider, die Mitpräsidenten verfügen über keinen eigenen Telefonanschluß in der Löwenzentrale. Ihre Funktion besteht darin, dem „großen Vorsitzenden“ Wildmoser eine demokratische Scheinlegalität zu geben. Nach dem „Skandal“ prangerte Oberbürgermeister Ude das Familiensystem an und fordert eine Erneuerung des Vereins.


Vom Regen in die Traufe

Ude ist seit Jahren Mitglied des Aufsichtsrates beim TSV 1860. Es mutet seltsam an, dass Ude erst nach dem Skandal den „totalitären“ Kurs im Verein attackiert. In Wahrheit hat Ude sowohl den Abschied vom Grünwalder Stadion und das Millionenloch (Allianz Arena) entscheidend unterstützt. Dass aus dem TSV 1860 eine schwache FCB Imitation wurde hat Ude nicht gestört. In der Vergangenheit hat der rechtskoservative Kleinbürger Wildmoser sich öffentlich rassistisch gegen schwarze Spieler ausgesprochen. Einige Anhänger des FCB beleidigte er in der Vergangenheit als Spätaussiedler, „ die nix arbeiten“.

Von einem Protest des Sozialdemokraten Ude und seinem Mitkämpfer, dem Grünen Hep Monatzeder ist nichts bekannt. Jetzt erst wagt sich Ude aus der Deckung, um den Kleinbürger Wildmoser abzuservieren. Ude will Wildmoser durch den ehem. Forschungs- und Kulturminister Zehetmair (CSU) ersetzen. Worin der Fußballsachverstand eines Zehetmair neben seiner konservativen politischen Haltung bestehen soll, darauf bleibt Ude jede Antwort schuldig. Sowohl Zehetmaier wie Ude wollen den Wildmoser Kurs etwas weniger „barock“ fortsetzen.

Die Racheaktionen von Ude gegen den Reaktionär Wildmoser macht letzteren beinahe wieder sympathisch. Auch für eine Figur wie Wildmoser hat bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung nach dem bürgerlichen Recht die Unschuldsvermutung zu gelten. Für Ude ist Wildmoser bereits überführt, Ude setzt als gelernter Jurist die Unschuldsvermutung außer Kraft. Statt Wildmoser wegen seiner Vereinspolitik zu attackieren, setzen Ude und Konsorten das bürgerliche Recht außer Kraft. Der Weg für wahre Löwen Fans muß es sein, sowohl gegen Wildmoser, Zehetmair und Ude zu kämpfen. Es gilt, sich aus der Umklammerung durch den FC-Bayern zu befreien und den Ball wieder in den Rahmen einer demokratischen antirassistischen „Leitkultur“ rollen zu lassen.


Max Brym