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Stolpersteine oder die ganz breite Friedensfront
von ah    02.03.03

Am 31. Januar veranstalteten die beiden Kirchengemeinden in Erding, die katholische und die evangelische, eine Kundgebung gegen einen drohenden Irakkrieg. Dass es die beiden Religionsgemeinschaften waren, die die Kundgebung organisierten und verantworteten, war naheliegend, gibt es doch in Erding seit längerem keine politische Gruppierung mehr, die sich als Kriegsgegnerin glaubhaft ausweisen könnte.

Selbst ATTAC kam nicht in Frage, da sich die in der regionalen Presse mit Vorschusslorbeeren bedachte „globalisierungskritische“ Initiative schnell als Rohrkrepierer erwiesen hatte, und weitgehend sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwunden war.

Das Dilemma einer von den beiden Amtskirchen verantworteten Manifestation ist der im Grunde entpolitisierte Ansatz . Krieg wird als negative Erscheinung gewertet, die vor allem der Sündhaftigkeit der Menschen angelastet wird. Die konkreten Hintergründe, die benennbar sind und sich zumeist personell festmachen lassen, werden tunlichst verschwiegen.

Aus diesem Verständnis heraus kam es am Rande der Erdinger Aktion zu einem kleinen Eklat, als Mitglieder der grünen Partei ein Transparent mit Parteilogo enthüllen wollten.

Nun spricht ja vieles dagegen, eine ausgewiesene Kriegspartei wie Bü 90/Die Grünen (s. Jugoslawien, Afghanistan) nicht bei einer Antikriegsaktion auftreten zu lassen. Der inhaltlichen Auseinandersetzung wollten sich die Organisatoren aber nicht stellen. Sie beriefen sich vielmehr darauf, dass „wir nicht wollten, dass eine Partei Reklame macht.“ (J. Bickhardt, zit. nach ERD SZ, 4.2.03).

Für die Regionalpresse war die Marginalie Aufhänger für mehrere Artikel, während über eine gut besuchte Veranstaltung der AGI zur selben Thematik im Dorfener Jugendzentrum mit keiner Zeile berichtet wurde.

In einem Kommentar ließ das Lokalblatt einen Journalistenanwärter den Grünen attestieren, sie hätten „politischen Instinkt vermissen lassen.“ So wird in Zeiten verstärkter politischer Sensibilisierung eine zentrale Frage auf den Hund gebracht. Die Kirchen machen sich zu Anwälten des moralischen Aspekts der Angelegenheit und ansonsten wird darauf geachtet, dass die Frage nach den Interessen, die hinter dem aktuellen Konflikt stehen, nicht analysiert werden.

Dabei hatten sich die Veranstalter sogar weiter vorgewagt als sonst. Normalerweise sind Kirchen ja spezialisiert auf eine ganz besondere Form der politischen Einflussnahme, nämlich der nach Außen hin unauffälligen. Wenn in Erding Plakate und Transparente nicht ausdrücklich verboten waren wie früher bei sog. Lichterketten ( Dorfen kam ja auch schon mal in den Genuss davon) , so ist den Organisatoren durchaus Risikobereitschaft zuzubilligen.

In Moosburg wurde kirchlicherseits das sog. Friedensgebet angeboten. Das ist eine nach Innen gerichtete Tätigkeit, bei der andere nicht feststellen können, was die betreffende Person eigentlich tut, gewährleistet Anonymität und gibt der Person in der Regel das Gefühl, ein guter Mensch zu sein, der nicht untätig ist, aber auch nichts Anstößiges tut.

Ob Linke das sog. Friedensgebet unterstützen sollten, darf stark bezweifelt werden. In einem Rundmail der FIM (Moosburger Friedensinitiative) wurde unlängst um eine „rege Teilnahme“ gebeten.

Am 8. Februar ließen sich die beiden Großkirchen in München zu einer Antikriegskundgebung des DGB und der Sozialdemokratie vereinnahmen. Es sollte die Bündelung des bürgerlichen Protests sein. Ganz gelang das nicht, weigerten sich doch die Dödels von der CSU mitzumachen. Das Bündnis von Glauben – Sozialdemokratie und Einheitsgewerkschaft legte Wert auf Distanz zur eher linken, internationalistischen Manifestation gegen das Treffen der Welt- Kriegselite. Das bürgerliche Bündnis orientierte gegen den Krieg, nicht jedoch gegen die sog. Sicherheitskonferenz, auch nicht gegen die NATO oder gar gegen die kriegsunterstützenden Maßnahmen der Bundesregierung.. Was in München nicht ganz gelang, nämlich das bürgerliche Lager komplett auf eine moderate Anti- Kriegs – Linie zu bringen, schaffte man im nordbayerischen Weißenburg. Dort setzten VertreterInnen des gesamten Spektrum von der CSU bis zur Friedensinitiative ihren Namen unter eine Resolution, die so breit wie nichtssagend ist. Sie verbindet alle die, die einen Krieg der Amis gegen den Irak ablehnen. Deshalb die zentrale Losung: „Nein zu diesem Krieg!“ Da sehen sich alle mitvertreten, die bei den nächsten Kriegen (mit oder ohne UNO-Mandat) wieder voll dabei sind.

Die Linke in der Friedensbewegung sollte aus den Fehlern der 80er Jahre Konsequenzen ziehen. So erhebend es ist, wenn Kundgebungen mit Massenbeteiligung stattfinden, wenn Medien um dieses Thema keinen Bogen mehr machen könenn, so schnell kann die Euphorie wieder abflauen. Was an Substanz dazugewonnen wird, zeigt sich erst, wenn es um die Einsicht geht, die da lautet: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“ (Karl Liebknecht)

 

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