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Der "Schlosser-Kurti" - ein Nachruf
von fo    01.12.02

„Schlosser-Kurti“, diese Anrede hörte Kurt Golda nicht gerne. War doch inzwischen mehr aus ihm geworden. Mit großen Anzeigen in vielen bayrischen Zeitungen nahm der Vorstand und der BR gemeinsam Abschied von dem langjährigem GBR-Vorsitzenden von BMW. Die großen Anzeigen hätten ihm sicher gefallen, denn mit den „Großen“ stand er auf gutem Fuß. Mit ihm gibt es einen profilierten Sozialpartnerschaftsideologen weniger, aber seine Saat ist in der Gewerkschaftsbewegung gut aufgegangen.

Bereits 1959 empfahl er sich als CO-Manager, als er der Quandt-Sippschaft die damals maroden BMW-Werke als Geldanlage andiente. Bald ging es aufwärts mit BMW und auch mit Kurt Golda. Man setzte auf das „Premiumsegment“ und ist damit krisensicherer, als die Hersteller von Proletenkarossen.

Mit dem Glas-Werken in Dingolfing und der bäuerlich geprägten Struktur in Niederbayern fand man günstigste Bedingungen für einen störungsfreien Ausbau der Werksstruktur. Bis zu 2 Std einfache Anfahrtszeiten nimmt mensch dankend an, um in der Krisenregion Arbeit zu bekommen. Als größte Bäckerei Bayerns (100te Bäcker an den Fließbändern) verspottet, nehmen die Beschäftigten die Industrielöhne stolz mit nach Hause und fühlen sich als Gewinner. Erfolgsprämien, übertarifliche Weihnachtsgelder und NGS-Papiere trösten über den Sekundentakt, mit dem man horrende Gewinne aus der Belegschaft herauspreßt.

Vielen reicht (psychisch und physisch) ein Jahrzehnt an den Bändern und sie suchen sich dann etwas anderes- so bleibt das Durchschnittsalter in der Produktion immer niedrig. Schon vor über 20 Jahren war man so weit, die einzelnen Bewegungsabläufe aus dem Katalog heraus festzulegen (z.B. Beugen-Strecken-Greifen = 5sec).

Heute zählt BMW mit den tausenden von Gewerkschaftsrnitgliedern zum“Rückgrat“ der IGM in einigen Regionen Bayerns. Allerdings ist es nicht verwunderlich, wenn es mit der Kampfkraft nicht so weit her ist.

Zurück zu Golda: Er fühlte sich schon immer mehr als Co-Manager, denn als Mann der Gewerkschaft. Er war es, der in Absprache mit dem Vorstand die Dauer und Lage von Warnstreiks festlegte - wenn es überhapt denn sein mußte. Nicht etwa die betrieblichen Vertrauenskörper in Absprache mit örtlichen Gewrkschaftsvertretern. Gerade abwegig, daran zu denken, daß in Landshut 10 min länger gestreikt würde, wie in München. Die Betriebsratsriegen der anderen BMW-Werke hatte er fest im Griff.

Schulungen von BR-Gremien fanden dazu in der noblen österreichischen Bildungsstätte für die oberen Führungskräfte von BMW statt. Dort war er GESCHÄFTSFÜHRER und sein Auftritt vor den KollegInnen das „Highlight“ jeder Schulung. Wie es sich bei solchen Chargen gehört- erstmal warten lassen, bevor man sich aus der Suite herausbequemt. Abends dann im Kaminzimmer an der schmucken Bar von seinen hübschen Hostessen im Dirndl bedient und im rustikalen Einzelzimmer eingeschlafen – wem geht da noch was von Klassenkampf durch den Kopf?

BMW gilt als sicheres Unternehmen und so wundert es nicht, wenn sich hunderte Gemeinden gegenseitig unterbieten, um BMW für einen neuen Standort zu gewinnen. Mit fast geschenkten Grundstücken und erheblichen Subventionen aus Steuergeldern für die Investitionen (Leipzig ca. 1/3) läßt sich gut leben und auch die Vorstände anständig bezahlen: 140000€ mtl. im Schnitt.

In Regensburg setzte man bereits vor 20 Jahren die regelmäßige Samstagsarbeit noch vor der Grundsteinlegung durch – dank Golda. Klar, daß man seit dem Rover-Debakel erst recht keine Steuern mehr bezahlt. Wie sagte doch vor kurzem so CSU-treffend Uli Hoeneß: „Sozial ist nur, wer Arbeitsplätze schafft“

 

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