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Freundschaft mit Valjevo – eine Friedensgruppe aus Pfaffenhofen / Ilm
von karl    20.12.02

In der benachbarten Kleinstadt Pfaffenhofen (Pfaffenhofen hat etwa 20.000 EinwohnerInnen) gibt es seit etwa drei Jahren eine sehr rührige Friedensgruppe, die auch humanitäre Hilfe leistet. Gegründet hat sich die Gruppe zur Zeit des NATO-Krieges gegen Jugoslawien. Derzeit führt der Verein ‚Freundschaft mit Valjevo‘ eine Unterschriften-Kampagne gegen eine deutsche Beteiligung am Krieg gegen den Irak durch. Bernd Duschner, einer der Aktiven des Vereins, sagte gegenüber AIZ, die ersten 500 Unterschriften unter einen offenen Brief an Gerhard Schröder seien bereits auf des Kanzlers Schreibtisch gelandet. Über 500 weitere Unterschriften sind bereits gesammelt. In diesem Brief wird der Kanzler „gebeten, Militärmaschinen Überflugrechte für den Krieg zu verweigern und eine Nutzung deutscher Militärischer Einrichtungen abzulehnen.“ Der Verein will damit die Kräfte in der Bundesregierung stärken, die sich dem Druck der US-Regierung widersetzen. Die Frage, ob er den deutschen Imperialismus für friedfertiger als den US-amerikanischen betrachte wird von Duschner verneint. In ihrer Argumentation gegen den Irak-Krieg bleibt der Verein allerdings sehr bürgerlich und zitiert Jimmy Carter und die amerikanische Bischofskonferenz als Kronzeugen der Kriegsgegner.

Die Schwerpunkte des Vereins, der von einer ‚handvoll Aktiven‘, wie Bernd Duschner gegenüber AIZ sagt, betrieben wird, liegen im humanitären Bereich, aber auch in der Organisation von Informations- und kulturellen Veranstaltungen. Es findet jährlich ein Jugendaustausch zwischen Jugendlichen aus Jugoslawien und Deutschland statt. Teil des Konzepts des Vereins ist es, die humanitäre Hilfe selbst zu organisieren und auch vielen Menschen zu ermöglichen, an der Fahrt nach Jugoslawien teilzunehmen. Die nächste Lieferung von Hilfsgütern findet am 28.01.2003 statt. Als nächste Veranstaltung plant „Freundschaft mit Valjevo“ einen Informationsabend mit dem ehemaligen Brigadegeneral der Bundeswehr, OSZE-Mitarbeiter und Buchautor (‚Der Kosovo-Konflikt – Wege in einen vermeidbaren Krieg‘) Heinz Loquai.

Wir Führten mit Bernd Duschner ein kurzes Interview:


AIZ: Kannst Du Euren Verein "Freundschaft mit Valjevo e.V." kurz vorstellen.

B.D.: Unser Verein ist eine kleine Friedensinitiative, die Arbeit für Völkerverständigung und Frieden eng verbindet mit humanitärer Hilfe für die Opfer von "Militärschlägen" und Kriegen. Insbesondere bemühen wir uns darum, eine Städtepartnerschaft von den Bürgern her aufzubauen zwischen den Bürgern unserer Stadt u. den Bürgern der 1999 stark bombardierten serbischen Stadt Valjevo.


AIZ: Wie sind die Bedingungen für Eure Arbeit in einer Kleinstadt wie Pfaffenhofen?

B.D.: Es ist nicht leicht, in der heutigen Zeit eine Gruppe aufzubauen, die über Jahre hinweg kontinuierlich und mit hohen persönlichen Einsatz politische Arbeit leistet. Zunehmend müssen unsere Menschen ihre Kräfte darauf konzentrieren, ihren Arbeitsplatz zu sichern und finanziell "über die Runden zu kommen." Zudem sehen sie täglich, daß politisches Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit sich "materiell" und bei der beruflichen Entwicklung nicht auszahlt. Viele haben in der heutigen Gesellschaft auch jeden Glauben an die Möglichkeit politischer Einflußnahme verloren. Dennoch kann man erfolgreich politisch arbeiten, auch in einer Kleinstadt. Unseren Verein haben wir unter dem Eindruck der Bombardierungen Jugoslawiens im Juli 1999 gegründet. Wenig später, am 4. Oktober, sind wir bereits mit einem 40 Tonner Sattelzug und 25 Bürgern nach Valjevo in Serbien aufgebrochen. Am 28. Januar 2003 werden wir unseren 8. Sattelzug in unsere Patenstadt bringen, voll von Medikamenten und Krankenhausmaterial, Lebensmitteln und Kleidung für Kinder. Hunderte von Bürgern helfen bei diesen Transporten mit ihren Spenden mit. Die Glaubwürdigkeit und allgemeine Akzeptanz unseres Vereins ist gerade das Ergebnis dieser Einheit von Friedensarbeit verbunden mit konkreter humanitären Hilfe für die Opfer der Kriege.


AIZ: In der Weihnachtsausgabe der jungen Welt war zu lesen, dass Ihr Euch in einem offenen Brief an Bundeskanzler Schröder wenden wollt, in dem Ihr gegen eine deutsche Beteiligung am Krieg gegen den Irak plädiert. Den Brief haben bereits über 1000 Menschen unterschrieben. Wie waren die Reaktionen der Pfaffenhofener Bevölkerung und was erhofft Ihr Euch von dieser Aktion?

B.D.: Unsere Unterschriftensammlung gegen jegliche deutsche Beteiligung am Krieg gegen das ausgehungerte und gepeinigte irakische Volk hat das Ziel, die Kräfte in der Regierung zu stärken, die sich dem amerikanischen Druck widersetzen. Sie gibt unseren Bürger eine Möglichkeit, sich politisch für den Frieden einzusetzen. Und das möchten sehr viele Menschen. Statt angesichts der amerikanischen und britischen Kriegsvorbereitungen nur zu starren, bis die Zerstörung irakischer Städte und das große Abschlachten Tausender irakischer Bürger beginnt, gilt es jetzt, alles zu tun, um die Öffentlichkeit wachzurütteln und mit vielfältigen Aktionen den Widerstand aufzubauen. Das ist die Pflicht jedes verantwortungsbewußten Bürgers. Wir wissen, daß unsere Chancen nicht gut stehen, aber wir haben sie mit allem Einsatz wahrzunehmen. Auf die Öffentlichkeit und politische Diskussion in den USA hat die Haltung unserer Bürger und Regierung durchaus Einfluß. Das zeigen nicht zuletzt die ständigen und beharrlichen Versuche der Bush-Regierung, die deutsche Regierung doch noch zum Mitmachen bei ihrem Angriffskrieg zu gewinnen.


Nähere Informationen findet Ihr unter www.freundschaft-mit-valjevo.de oder wendet Euch per eMail an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

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