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90 Jahre Novemberrevolution im Infoladen
von koni    09.11.08

Mit der heute fast vergessenen Revolution, die im November 1918 begann, beschäftigten sich die etwa 35 ZuhörerInnen, die vergangenen Samstag, den 8.11. in den Infoladen nach Landshut kamen.

Als Referent konnte dazu der Wiener Politologe Stefan Junker gewonnen werden. In außergewöhnlich anschaulicher Weise gelang es dem Referenten die Zuhörer auf eine Reise in die Zeit der Revolution vor 90 Jahren mitzunehmen. Sie begann etwa ein Jahr nach der Russischen Oktoberrevolution. Unmittelbarer Ausgangspunkt der revolutionären Erhebungen waren die Aufstände der Matrosen in Kiel und anderen Städten. Sie weigerten sich gegen Ende des Ersten Weltkrieges nochmals gegen das britische Heer in See zu stechen. Die Revolution verbreitete sich rasch und fand in Berlin ein neues Zentrum.

Stefan Junker gelang es hervorragend, die komplizierten weiteren Abläufe gut nachvollziehbar darzustellen. Während die MSPD (Mehrheitssozialdemokratie) mit Friedrich Ebert an der Spitze die Regierung bildete, gab es mit den Arbeiter- und Soldatenräten eine weitere demokratisch legitimierte Machtstruktur, die an einer radikalen Demokratisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse interessiert war. Mit der 1917 gegründeten USPD gab es auch eine politische Kraft, die weitgehende Forderungen nach Frieden und einer Demokratisierung von Politik und Wirtschaft stellte. Noch weitgehender waren die Forderungen der KPD (Spartakus), die für eine Sozialistische Gesellschaft kämpfte.

Der MSPD unter Ebert, der wie er selbst sagte, die Revolution haßte wie die Sünde, gelang es in verschiedenen Etappen die revolutionären Teile der Arbeiterschaft von der Macht zu verdrängen. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckte die nicht davor zurück mit den alten kaiserlichen Generälen der OHL (Oberste Heeresleitung) zu paktieren. Im Dezember 1918 und mehr noch im Januar und März 1919 gingen neu formierte Regierungstruppen gegen die revolutionären Arbeiter und Soldaten vor und ermordeten viele von ihnen. Zu den bekanntesten Opfern dieser Greueltaten gehören Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die hierzu neu gegründeten Truppen, die so genannten Freikorps, waren später wesentlich am rechten Staatsstreich vom März 1920 - dem Kapp-Putsch - beteiligt und bildeten den Kern der späteren faschistischen Gruppierungen.

Die Revolution von 1918 trug bürgerliche und sozialistische Züge. Sie blieb unvollendet und somit schaffte es die Weimarer Republik nicht ihr feudales Erbe abzuschütteln. Fatal wirkte sich das Paktieren der SPD-Führung mit den Kräften der alten kaiserlichen Ordnung aus, so dass diese rückwärts gewandten Kräfte auch in der Weimarer Republik eine führende Rolle spielen konnten. Das führte sicher nicht zwangsläufig zum deutschen Faschismus. Eine wesentliche Vorbedingung aber war es schon.

Nach einer lebhaften Diskussion war für alle Anwesenden die Bedeutung dieses großen geschichtlichen Ereignisses für die deutsche Geschichte wesentlich klarer geworden.

 

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